Starkes Wachstum in der Mittelspannung

Valeska Gottke vom Bundesverband Energiespeicher (BVES) zur Marktsituation und den Herausforderungen für die Energiespeicherbranche in Deutschland.

50komma2: Wie hat sich der Markt für Energiespeicher bis heute entwickelt?

Valeska Gottke: Die deutsche Energiespeicherbranche ist aus eigener Kraft – ohne besondere finanzielle Förderung oder Subventionen – zu einem gesunden Markt herangewachsen. Die Umsatzerlöse der Speicherbranche sind von 3,8 Milliarden Euro im Jahr 2015 auf schätzungsweise mehr als fünf Milliarden Euro im Jahr 2018 gestiegen. Dabei findet das dynamischste Wachstum im Bereich der neuen Speichertechnologien wie Batteriespeichern, Power-to-Gas-Lösungen oder Wärmespeichern statt.

Wo kommen Speicher aktuell und künftig verstärkt zum Einsatz?

Aktuell sind die meisten Speicher auf der Niederspannungsebene angeschlossen: Unserer BVES-Branchenschätzung zufolge waren im Jahr 2017 hier etwa 75.000 Batteriespeicher mit einer Anschlussleistung von unter 30 kW installiert, die für Haushalte und Kleingewerbe relevant sind. Wir gehen davon aus, dass deren Anzahl bis 2020 auf etwa 200.000 Speicher im Jahr 2020 und etwa 1,3 Millionen im Jahr 2035 anwachsen wird. Die Anzahl von gewerblichen Batteriespeichern (Anschlussleistung 30 bis 150 kW ) betrug 2017 etwa 600. Im Jahr 2020 werden es in dieser Kategorie voraussichtlich 1.500, und im Jahr 2035 etwa 7.000 sein. Auf Mittelspannungsebene, bei einer Anschlussleistung von 150 kW, also in gewerblichen und Netzanwendungen, erwarten wir das stärkste Wachstum: Von etwa 34 im Jahr 2017 auf etwa 350 in 2020 und 1,7 Millionen im Jahr 2035. Die positive Entwicklung des Energiespeichermarkts geht Hand in Hand mit einer tieferen systemischen Integration von Energiespeichern.

Welche Hürden stehen dem flächendeckenden Einsatz von Speichern im Weg?

Valeska Gottke, Referentin Kommunikation und Märkte beim BVES. Foto: BVES

Der BVES pocht seit langem darauf, dass eine klare, energiewirtschaftliche Einordnung von Speichern dringend notwendig ist. Speicher sind zeitliche Verzögerungselemente und damit eine eigenständige vierte Säule des Energiesystems neben Erzeugung, Transport und Verbrauch. Dies wird im Energierecht immer noch nicht berücksichtigt. Stattdessen werden Energiespeicher rechtlich als Letztverbraucher eingestuft und teilweise zudem als Erzeuger. Diese Situation schafft erhebliche, nachteilige Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit von Speicherprojekten. Es ist wichtig, dass bestehende Diskriminierungen und die daraus folgende doppelte Belastung von eingespeicherten Strommengen, abgeschafft werden. Gleichzeitig gilt es, den Zugang zu den Märkten für Systemdienstleistungen wie etwa die Primärregelenergie technologieoffen zu regeln und etwa überhöhte Anforderungen an Mess- und Nachweiskonzepte sowie Anschlussbedingungen zu beseitigen. Darauf aufbauend muss der Rechtsrahmen für Speicher so vereinheitlicht werden, dass Errichtern und Betreibern die Umsetzung von modernen Geschäftsmodellen ermöglicht wird, aber auch etwa Netzbetreibern der Zugriff auf Speicherkapazitäten eröffnet wird.

Was ist mit modernen Geschäftsmodellen gemeint?

Multivalente Speicherkonzepte, die sowohl der Eigenversorgung dienen, als auch an das öffentliche Netz angeschlossen sind. Sie sind Grundlage für gemischte Betriebsmodelle von Speichern, die derzeit als besonders wirtschaftlich gelten. Der BVES hat stets geduldig darauf aufmerksam gemacht, dass die Schaffung eines Level-Playing-Fields für die verschiedenen Energiespeichertechnologien und -konzepte von grundlegender Bedeutung ist. Hier werten wir als großen Erfolg, dass die in der Urfassung der letzten EEG-Aktualisierung von 2017 vorgesehene Regelung (§ 61a Abs. 1 EEG 2017 Anm.d.Red.) noch vor ihrem Inkrafttreten grundlegend erneuert wurde, um auch „multivalente“ Speicherkonzepte zu erfassen. Mit § 61k ist nun verbindlich festgelegt, dass auch die gemischte Nutzung eines Energiespeichers – etwa zur Bereitstellung von Regelenergie und für den Eigenverbrauch – nicht mit der EEG-Umlage belastet wird.

Wie gestaltet sich die Situation der Stadtwerke und Netzbetreiber in diesem Spannungsfeld?

Laut EU-Recht können Verteilnetzbetreiber (VNB) im Sinne des Unbundlings weder Eigentümer noch Betreiber von Energiespeichern sein. Aus Regulierer-Perspektive erscheint vor diesem Hintergrund das Drittanbietermodell sinnvoll, sodass Stadtwerke oder Netzbetreiber flexibel die notwendige Speicherkapazität buchen können.

Kontakt: BVES – Bundesverband Energiespeicher e.V., Valeska Gottke, 10178 Berlin , Tel. +49 30 – 54 610 634, v.gottke@bves.de

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