Im Test: Power-to-Heat-Konzept im Unterallgäu

Ein neues Power-to-Heat (PtH)-Konzept wird derzeit im Rahmen des großangelegten Projekts Energiewende Unterallgäu Nordwest auf die Probe gestellt. Die Lechwerke AG (LEW) testet dabei gemeinsam mit der Hochschule München, dem Haustechnikhersteller Stiebel Eltron und dem Energie- und Umweltzentrum Allgäu (eza!) in 27 Kommunen ein Modell mit Nachtspeicherheizungen, die so gesteuert werden, dass sie möglichst viel regional erzeugten Strom nutzen. In den Kommunen mit insgesamt rund 550 Nachtspeicherheizungen wurden fünf Haushalte für den Test des neuen Konzepts ausgewählt. Das Konzept entstand im Projekt FLAIR – Flexible Lasten intelligent regeln. Die dahinterstehende Idee: Für das Laden von Nachtspeicherheizungen gibt es bisher nur feste Zeitfenster von einigen Stunden, zumeist in der Nacht. Im Projekt sollen diese Zeiten deutlich ausgeweitet werden und damit auch eine tagsüber flexible Steuerung des Ladevorgangs ermöglicht werden. Dies geschieht auch vor dem Hintergrund, dass in Spitzenzeiten die rund 6.000 Photovoltaikanalgen (PV-Anlagen) in der Modellregion einen Stromüberschuss erzeugen, der über die Stromnetze abtransportiert werden muss – ein Umstand, bei dem flexibel steuerbare Ladezeiten von Nachtspeicherheizungen vorteilhaft zum Tragen käme.

Nachtspeicherheizungen nur eine der Möglichkeiten

Zur Steuerung der Nachtspeicherheizungen entwickelte die Hochschule München eine spezielle Steuerbox, die die Spannung im Stromnetz überprüften und den Ladevorgang für jeden Haushalt individuell starten soll, wenn ein Spannungsanstieg aufgrund steigender PV-Einspeisung im Stromnetz erkannt wird. Durch die Flexibilisierung könne mehr regionaler Strom für das Laden der Speicherheizungen genutzt werden, teilt LEW mit. Dabei sei sichergestellt, dass die Heizung im Tagesverlauf ausreichend geladen wird. Das Projekt untersucht zudem, inwieweit durch die gleichmäßigere Auslastung die Leistung der Heizung reduziert und die Effizienz der Anlage insgesamt gesteigert werden kann.

Die Modellregion Unterallgäu biete für solche Konzepte der Sektorenkopplung optimale Voraussetzungen, wie LEW betont. Umfassende Auswertungen des Unternehmens haben gezeigt, dass hier rein rechnerisch rund 90 Prozent der benötigten Strommenge durch dezentrale Erzeugung – vor allem durch PV-Anlagen – gedeckt werden, allerdings nur 70 Prozent davon auch tatsächlich genutzt werden können. Für LEW-Projektleiter Ulrich Haselbeck sind Nachtspeicherheizungen dabei nur eine Möglichkeit, wie mehr Ökostrom im Wärmesektor genutzt werden kann: „Auch der verstärkte Einsatz von Wärmepumpen für Heizung und Warmwasseraufbereitung bietet noch viel Potenzial. Mit dieser Technologie lassen sich sogar aus einer Kilowattstunde Ökostrom vier bis fünf Kilowattstunden Ökowärme erzeugen. In Kombination mit einer vergleichbaren Steuerung und einem Warmwasserspeicher als Puffer können weitere Flexibilitäten genutzt werden.“

www.energiewende-unterallgaeu.de

www.lew.de

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