Nie wieder auf den Ableser warten

TMZ Thüringer Mess- und Zählerwesen pilotiert Submetering-Lösungen für die Wohnungswirtschaft.

Viele Mieter empfinden es als lästiges Problem, wenn einmal im Jahr die Ablesung für die Wärmemengenzähler, Heizkostenverteiler oder die Wasserzähler angekündigt wird. Oft ist der Besuch stets zur besten Arbeitszeit angemeldet. Hat der Mieter für den besagten Tag dann mühsam umdisponiert, freigenommen oder Homeoffice beantragt, ist die Verwunderung oft groß, dass die Mitarbeiter von Ista, Techem und Co. kaum fünf Minuten brauchen, um jeden Zähler abzulesen und die Verdunstungskapillare auszutauschen. Offensichtlich ist das Ablesen keine Herkulesaufgabe. Man fragt sich: Geht das auch einfacher?

Technisch ist das Fernauslesen von Submeteringmessgeräten schon lange kein Problem mehr. Im Gegensatz zum Strombereich, der durch das Messstellenbetriebsgesetz eine sehr komplexe Regulation erfahren hat, sind es im Submetering keine rechtlichen Hürden, die hier entscheidende Innovationen verhindern. Ursache ist vielmehr eine oligopolistische Marktstruktur, bei der vier Anbieter einen Marktanteil von 70-80 Prozent besitzen und damit nach Berechnungen des Bundeskartellamts bemerkenswerte Netto-Umsatzrenditen erwirtschaften. Im Dreiecksverhältnis zwischen dem Vermieter, der das Ablesen der Unterzähler beauftragt, dem Mieter, der die Dienstleistung bezahlt und dem durchführenden Ableseunternehmen besteht seitens der Anbieter wenig Anreiz, hier in einen ruinösen Preiswettbewerb einzutreten. Hinzu kommt, dass die Heizkostenverteiler, Warm- und Kaltwasserzähler der Submetering-Unternehmen proprietäre, nicht interoperable Lösungen sind, was einen Wechsel erschwert. Der Markt präsentiert sich somit klar aufgeteilt und statisch.

Foto: Thüringer Mess- und Zählerwesen Service GmbH/konsekwent GmbH

TMZ will automatisieren

Aufgrund des großen kommunalen Wohnungsbestandes und der vielversprechenden Mehrwerte für die Mieter sah die TMZ Thüringer Mess- und Zählerwesen Service GmbH, das neue Tochterunternehmen der TEAG Thüringer Energie AG, großes Potential für automatisierte Lösungen zur Fernauslesung aller Sparten. Dazu startete die TMZ mit Partnern sowie dem Beratungshaus konsekwent GmbH ein Projekt, das eine erste Pilotstellung für die spartenübergreifende Ablesung und Abrechnung vorsieht. Ziel ist es, die Daten aller Sparten einzusammeln und über das Smart Meter Gateway eines intelligenten Messsystems an den Messstellenbetreiber oder den gewünschten Abrechnungsdienstleister zur Abrechnung zu übersenden.

Test in zwei Schritten

In einem ersten Schritt wurden dabei Wärmemengenzähler, Heizkostenverteiler, Warmund Kaltwasserzähler sowie Rauchwarnmelder, die über ein wMBus-Funkmodul verfügen, in einer eigenen Liegenschaft an einen Datenknoten angebunden, welcher per GSMModul diese Daten in die Abrechnungssoftware übersandte. Diese erste Phase verlief problemlos. Die Daten gelangten stabil durch dicke Mauerwerke und liefen im eingestellten Intervall täglich in die Abrechnungssoftware ein.

Einbindung intelligenter Messsysteme

Der zweite Schritt sieht die Einbindung eines intelligenten Messsystems vor. Da ein solches in einigen Jahren in zahlreichen Liegenschaften ohnehin vorhanden sein dürfte, lohnt es sich, dessen Übertragungskapazität sowie dessen gesicherte Infrastruktur mitzunutzen. Dafür stellen Smart Meter Gateways den sogenannten CLS-Kommunikationskanal (Controllable Local Systems) bereit, der nach BSI-Vorgaben eine gesicherte Verbindung darstellt und Messwertdaten über die WAN-Schnittstelle (Wide Area Network) des Gateways an einen externen Marktteilnehmer (EMT) übermittelt. An dieser Stelle kommt der Gateway Administrator ins Spiel. Dieser wird durch den EMT aufgefordert, den Aufbau des transparenten CLS-Kanals einzuleiten und stellt über den Austausch entsprechender Zertifikate sicher, dass nur berechtigte EMT die Daten empfangen. Grundlage für das Pilotprojekt zur Teststellung der CLS-Steuerung/-Management ist daher eine enge Zusammenarbeit mit dem Gateway Administrator und dessen für die IT-Infrastruktur zuständigen Partnern. Im Rechenzentrum eines Dienstleisters werden die Messdaten abgerufen und im MDM-Mandanten abgelegt. Von dort aus gelangen die Daten via XML-Protokoll automatisch an den Abrechnungsdienstleister, welcher ein Abrechnungssystem und ein Gerätemanagement betreibt. Bei fehlenden Werten oder Störungen laufen die Meldungen hier zusammen, so dass entsprechend reagiert werden kann. Dieses Gesamtkonstrukt bildet die Umsetzungsgrundlage für die spartenübergreifende Nebenkostenabrechnung. Darüber hinaus sind weitere Tests geplant, die auch die Einbindung einer Steuerbox, zum Beispiel zur Regelung einer Einspeiseanlage, umfassen. Die Tests sollen dabei den Labormaßstab alsbald verlassen und in realen Liegenschaften stattfinden. Zur Praxisreife gehören weiterhin Tests zur Interoperabilität: Welche Sensoren können mit welchen Datenknoten oder Steuerboxen und dem Smart-Meter- Gateway zusammenarbeiten, und welche Softwareanforderungen sind dabei zu erfüllen? Überdies ist die Anbindung weiterer Sensoren wie Rauchwarnmeldern Teil des Projektes.

Die TMZ plant, konkrete Produktmodelle zu konzipieren, die den Anforderungen der Wohnungswirtschaft gerecht werden und die Abrechnung aller Sparten aus einer Hand abdecken – eingebunden in die hoch gesicherte Infrastruktur der intelligenten Messsysteme. Noch sind nicht alle Schnittstellenfragen vollends geklärt, aber fest steht, dass bald viele Mieter in Thüringen und darüber hinaus nicht mehr auf den Ableser zu warten brauchen.

Kontakt: konsekwent GmbH, Axel Wachtmeister, 40882 Ratingen, Tel. +49 (0)2102 298941, caw@konsekwent.com

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