Fernwartung ohne 3G?

Das Ende der 3G-Kommunikationsnetze ist absehbar. Für Stromnetzbetreiber ist es an der Zeit, sich über Alternativen zu informieren.

Die Mobilfunktechnik hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt. Neue Standards wie 5G sollen mehr Bandbreite und höhere Datenraten ermöglichen. In vielen Anwendungen in den Verteilnetzen sind jedoch nach wie vor Modems und Router im Einsatz, die auf den 2G- (GSM, GPRS und Edge) oder 3G-Standard (UMTS, HSPA) setzen und damit auch bestens auskommen. Doch je nach Telekommunikationsanbieter werden die 3G-Kommunikationsnetze in absehbarer Zeit abgeschaltet. „Wer bis Ende 2020 nicht umgestiegen ist, geht ein großes Risiko ein“, meint Jos Zenner, Geschäftsführer der Welotec GmbH. Sein Unternehmen ist auf Kommunikations-Infrastruktur für die Digitalisierung und Automatisierung spezialisiert und zählt zahlreiche Versorger und Verteilnetzbetreiber zu seinen Kunden.

Konkrete Aussagen zu finden, ab wann 3G nicht mehr zur Verfügung steht, ist derzeit nicht ganz einfach. Ein Passus in den AGB der Deutschen Telekom besagt: „Die dort aufgeführte Netztechnologie 3G […] im Mobilfunknetz der Telekom ist – vorbehaltlich einer Verlängerung – nur bis zum 31.12.2020 verfügbar.“ Einige UMTS-Frequenzen der Telekom laufen 2020 definitiv aus und werden neu vergeben. Vodafone hat angekündigt, UMTS europaweit zwischen 2020 und 2021 abzuschalten. Die Telefonica (O2) hat sich noch nicht geäußert. 2.100 MHz wird gerade bei der Telekom intensiv für eine LTE-Nutzung getestet, denn LTE wird neben dem 5G-Netz weiterhin verfügbar sein und dieses ergänzen.

Umstieg längerfristig planen

Auch wenn es noch keine finale Aussage gibt, wann die 3G-Technologie endgültig abgestellt wird, sollte man jetzt über einen Umstieg nachdenken, rät Jos Zenner. Denn die Anbieter für Kommunikationslösungem sind derzeit voll damit beschäftigt, die Netze für LTE und 5G weiter auszubauen und werden für die Pflege der Infrastruktur von 2G oder 3G wohl kaum noch Aufwand betreiben. „Zukunftssicher ist man mit diesen Netzen also nicht“, so Zenner. Außerdem gibt er zu bedenken, dass sich Anlagen, die per Fernwartung überwacht werden, nicht selten an sehr abgelegenen Orten befinden. Müssen solche Anlagen wegen Abkündigungen des Telekommunikationsanbieters kurzfristig umgerüstet werden, könnten die Kosten für Anreise und Austausch der Komponenten die eigentlichen Anschaffungskosten deutlich übersteigen. Für Jos Zenner ist klar: „Der Tausch sollte frühzeitig projektiert werden, um ihn im Zuge einer ohnehin geplanten Instandhaltung vorzunehmen und damit Kosten zu sparen.“

Wann kommt 5G?
Die Experten schätzen, dass noch einige Jahre ins Land gehen werden, bis 5G in Deutschland flächendeckend verfügbar ist. Die neuen Frequenzen sollen im Frühjahr 2019 versteigert werden. Dann haben die drei großen Betreiber Telekom, Vodafone und O2 bis 2022 Zeit das Netz großflächig auszubauen. Die Technologie nutzt unter anderem hohe Frequenzen, deren Funkwellen sich schlechter ausbreiten, dafür aber eine bessere Datenübertragungsrate bieten. Daher müssen jede Menge zusätzliche Basisstationen aufgebaut werden. Diese gilt es per Glasfaser anzubinden, damit die Datenleitungen, also das Backbone des Mobilfunknetzes, nicht die Kommunikationsgeschwindigkeit der Luftschnittstelle einbremsen. Steht 5G erst einmal flächendeckend bereit, versprechen die Netzbetreiber unter anderem Bandbreiten von mindestens 100 Mbit für jedes Endgerät und Latenzzeiten von 1 ms. Network Slicing sichert den Teilnehmern jederzeit die benötigten Charakteristika der Verbindung wie verfügbare Bandbreite, Latenzzeiten usw. zu und ermöglicht so ganz neue Anwendungen – beispielsweise Echtzeitanwendungen über das Mobilfunknetz. Foto: Welotec

Automatischer Fallback auf 2G?

Die Abschaltung betrifft derzeit 3G-Netze, die deutschlandweit ohnehin nie flächendeckend zur Verfügung standen. Unter anderem deshalb sehen die meisten Modems und Router mit UMTS einen automatischen Fallback auf 2G vor. Daher nehmen manche Anwender die bevorstehende Abkündigung entspannt. Für Jos Zenner ist diese Sichtweise mit Risiken behaftet: „In zahlreichen Kommunikationsnetzen laufen bereits viele Systeme auf 2G. Kommen durch den Fallback weitere dazu, kann es leicht zur Überlastung einzelner Zellen kommen und die gesamte Kommunikation darunter leiden oder gar komplett ausfallen.“

Da auslaufende Frequenzen für andere Standards vergeben werden, steht zudem künftig für 2G immer weniger Frequenzspektrum zur Verfügung. In anderen Ländern könnte diese Fallback- Strategie generell problematisch werden. In der Schweiz beispielsweise hat der zweitgrößte Telekommunikationsanbieter bereits angekündigt, 2G Ende 2018 einzustellen. „Eine Fallback- Lösung muss also für den konkreten Fall mit Bedacht geprüft werden, stets mit dem Wissen, dass sie keinesfalls zukunftssicher, sondern höchstens für den Übergang geeignet ist“, sagt Zenner.

Welcher Standard?

Vor diesem Hintergrund erscheint es dringend angeraten, bereits jetzt die künftigen Investitionen zu planen. Viele Betreiber scheuen jedoch die Kosten und fragen sich, ob moderne Kommunikationsstandards für ihre Anwendungen nicht überdimensioniert sind. „Tatsächlich muss es für viele Anwendungen nicht 5G sein, sondern LTE bietet eine passende Lösung“, bestätigt auch der Welotec- Geschäftsführer. Nach derzeitiger Planung werde LTE teilweise in den 5G-Standard eingehen und sei damit zukunftssicher. Technisch gesehen, umfasst LTE zudem mehrere Standards. „Mit LTE Cat. 1 oder LTE Cat. M1 steht Anwendern aus dieser Sammlung ein zukunftssicherer Standard zur Verfügung, der nicht nur von den Datenraten, sondern auch bei Anschaffungs- und Datenübertragungskosten im Bereich von UMTS liegt“, so Zenner.

Für den Umstieg gilt es jedoch zu bedenken, dass viele Geräte, die 2G oder 3G zur Kommunikation nutzen, bereits seit 2004 im Einsatz sind. Sie entsprechen längst nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik. Der Umstieg von 2G oder 3G bringt also auch eine generelle technische Veränderung von analoger Wählverbindung auf IP-Netze mit sich. Dazu Jos Zenner: „Mit dem Umstieg auf LTE gehen Anwender einen deutlichen Schritt in Richtung IoT und profitieren von zahlreichen neuen Möglichkeiten. Der Tausch des Modems oder Routers erfordert dann jedoch in vielen Fällen auch eine Anpassung der gesamten nachgeschalteten Anwendung. Auch deshalb sollte jetzt mit dem Umstieg und Tausch der Router begonnen werden.“

Kostengünstiger Router für LTE Cat 1

Nach Einschätzung von Welotec sind aktuell hunderttausende 2G- beziehungsweise 3G-Geräte deutschlandweit im professionellen Einsatz, die in den nächsten zwei Jahren ausgetauscht werden müssen. Um Anwendern eine gute Alternative anbieten zu können, befindet sich das Unternehmen derzeit in den finalen Tests für ein Produkt, das LTE Cat. 1 nutzt und zum Ersatz für die bisherigen UMTS/GPRS-Modems und -Router werden kann. Der TK535L1 basiert auf der bewährten TK525L-Serie. Zenner ergänzt: „Er eignet sich für preissensitive Anwendungen, denn er wird LTE Performance zu UMTS Preisen liefern.“ Anfang 2019 will Welotec die Router mit LTE Cat. 1 serienmäßig im Sortiment haben.

Kontakt: Welotec GmbH, Dennis Kock, 48366 Laer, Tel. +49 2554 91 30 62, d.kock@welotec.com

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