Der rollende Energiespeicher

Erstmals wurde im Oktober dieses Jahres ein Elektrofahrzeug nach den Richtlinien der Netzbetreiber wie ein Großkraftwerk präqualifiziert.

Uns steht eine radikale Transformation des Energie- und Automobilsektors bevor. Dieser Wandel – da sind sich die Experten weitgehend einig – hilft nicht nur dabei, die CO2-Emissionen des Verkehrssektors zu senken, sondern stellt darüber hinaus eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten dar: Für Energieversorger, Netzbetreiber, Automobilhersteller und Energiedienstleister genauso wie für die Endkunden. Elektrofahrzeuge können nämlich ein aktiver Teil des Stromnetzes werden, indem sie helfen, erneuerbare Energien aus Sonne und Wind kostengünstig ins Netz zu integrieren und Lastspitzen zu glätten. Denn weil private Fahrzeuge im Schnitt ohnehin rund 23 Stunden pro Tag nur herumstehen und kaum mehr als 40 Kilometer bewegt werden, sind Batterie-Autos bestens geeignet für die Aufgabe als Zwischenspeicher. Die einzige Voraussetzung dafür: Die E-Autos müssen die Vehicle-to-Grid-Technologie (V2G) beherrschen – also Strom kontrolliert und in Abhängigkeit von der Situation im Netz aufnehmen sowie abgeben können. Der- artige Leistungen werden künftig im Stromnetz eine zunehmend wichtige Rolle spielen und durch die Netzbtreiber vergütet.

Präqualifikation durch Amprion

Foto: The Mobility House GmbH

Einen Meilenstein in Hinsicht auf die Netzintegration von Elektrofahrzeugen hat der Münchener Hersteller von intelligenten Ladesäulen The Mobility House gemeinsam mit dem Übertragungsnetzbetreiber Amprion, dem Energieversorger ENERVIE und dem Automobilhersteller Nissan im Oktober dieses Jahres erreicht: Zum ersten Mal wurde ein Elektroauto in einer V2G-Anwendung offiziell vom Übertragungsnetzbetreiber Amprion für den deutschen Energiemarkt präqualifiziert und darf damit Primärregelleistung bereitstellen. Der Übertragungsnetzbetreiber definierte die technischen sowie regulatorischen Anforderungen in Bezug auf die Präqualifikation eines mobilen Batteriespeichers im Markt für Primärregelleistungen.

Als erstes Elektrofahrzeug hat Amprion nun dem Nissan Leaf in Kombination mit der Steuerung von The Mobility House die Eignung für diese Leistung attestiert. „Wir sind stolz, dass wir erstmalig in Deutschland ein E-Auto für die Primärregelleistung präqualifizieren konnten”, erklärt Andreas Walczuch, Leiter Systemdienstleistungen und Energiemarkt bei Amprion. „Diese Innovation zeigt uns, dass Elektrofahrzeuge einen Beitrag zur Systemstabilität leisten können.”

Echtzeitinteraktion mit dem Netz

Konkret handelt es sich bei dem Fahrzeug um einen Nissan Leaf, der aufgrund seines CHAdeMO- Ladeanschlusses nicht nur den Strom aus dem Netz ziehen und in der eingebauten Traktionsbatterie speichern, sondern bei Bedarf auch wieder ins Stromnetz zurückspeisen kann. Gesteuert werden die Be- und Entladevorgänge durch die intelligente Lade- und Energiemanagement-Technologie von The Mobility House. Auf dem Firmengelände von ENERVIE in Hagen demonstrierten die Projektpartner Ende Oktober, wie das Fahrzeug so mit dem Netz interagierte, dass die Netzfrequenz stabil bei rund 50 Hertz verblieb. Grund genug zur Freude für Thomas Raffeiner, CEO und Gründer von The Mobility House: „Wir freuen uns sehr, dass die Technologie von The Mobility House für die anspruchsvollste und wichtigste Anwendung im deutschen Energiesystem Einsatz findet.”

Kontakt: The Mobility House GmbH, Anja Strunz, D-81669 München, +49 (0) 89 4161430 34, communication@mobilityhouse.com

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