Schlauer Würfel

Smart Home-Applikationen und energiewirtschaftliche Mehrwertlösungen wurden von MeterPan und IVU in einem System integriert.

Heizung oder Waschmaschine vom Büro aus einschalten, die Beleuchtung per App steuern oder mit dem Smartphone die Sicherheit der eigenen vier Wände kontrollieren – die Vielfalt und Akzeptanz sogenannter Smart Home-Anwendungen nimmt stetig zu. Vielfach besteht ein Bezug zur Energieversorgung und so nimmt die Branche auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern auch dieses Thema ins Blickfeld. „Wirklich interessant wird es für Stadtwerke, wenn sie vorhandene Smart Home-Lösungen und eigene Dienste verbinden“, sagt Georg Baumgardt, Leiter Produktmanagement Metering bei der MeterPan GmbH. Das Unternehmen ist ein konzernunabhängiger Anbieter im modernen Messwesen und liefert ein umfassendes Leistungsportfolio aus einer Hand: Von der Rollout-Planung bis hin zur Visualisierungslösung und Tarifierung.

Verbrauchswerte und Steuerung

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Konkrete Ansatzpunkte für solche Mehrwertdienste sieht der IT-Experte im Zusammenhang mit der modernen Messeinrichtung (mMe), die derzeit flächendeckend bei Endkunden verbaut und dort über Jahre verbleiben wird. „Kundenanwendungen im Umfeld der mMe können zudem im nicht-regulierten Bereich aufgesetzt werden, was derartige Projekte für das Stadtwerk erheblich vereinfacht“, ergänzt Georg Baumgardt. Vor diesem Hintergrund entstand bei MeterPan die Idee, ein System zu entwickeln, das dem Endkunden aktuelle Verbrauchsund gegebenenfalls Einspeisedaten aus der Zählerinfrastruktur zur Verfügung stellt und gleichzeitig eine intelligente Gerätesteuerung ermöglicht – beispielsweise in Abhängigkeit von der Einspeisung aus der Solaranlage oder speziellen Tarifangeboten des Stadtwerks. Für die Steuerung der Verbraucher soll der Kunde gegebenenfalls seine vorhandenen Smart-Home-Applikationen einschließlich marktüblicher Sprachassistenten nutzen können.

Eine Herausforderung ist dabei allerdings die Vielfalt und fehlende Interoperabilität aktueller Smart Home-Angebote: Die meisten Lösungen sind proprietäre Systeme, die sich untereinander nicht verbinden lassen. „Für Stadtwerke und Versorger ist diese Situation nachteilig“, stellt Georg Baumgardt fest. „Sobald sie sich für ein bestimmtes System entscheiden, arbeitet dieses unter Umständen nicht mit den beim Kunden bereits vorhandenen Lösungen zusammen. Auch wenn es darum geht, das Portfolio des Stadtwerks um neue Produkte zu erweitern oder die Smart Home-Lösungen mit eigenen Anwendungen zu koppeln, schränken Drittanbieter-Standards unnötig ein.“

Der Homee LoRa-Würfel

Der Homee LoRa-Würfel verbindet Smart Home- Lösungen unterschiedlicher Hersteller mit der Mess- und Regeltechnik des Stadtwerks. Foto: MeterPan GmbH

Um diese Einschränkungen zu überwinden, kooperierten die IVU Software Entwicklung und MeterPan, beides Tochtergesellschaften der IVU Informationssysteme GmbH, mit der baden- württembergischen Firma Codeatelier, die das Smart Home-Integrationssystems Homee anbietet. Die Partner arbeiten im Rahmen des vom Bund geförderten Projekts NEW 4.0 bereits in anderen Projekten intensiv zusammen und entwickelten auch in dieser Kooperation eine Lösung, die laut Georg Baumgardt deutschlandweit einmalig ist: den Homee LoRa-Würfel. Das handliche Gerät bietet dem Endkunden zum einen die Möglichkeit, sämtliche gängigen Smart Home-Applikationen zusammenhängend zu steuern. Zum anderen ist der Würfel in der Lage, mit verschiedensten Sensoren, Aktoren, Reglern etc. zu kommunizieren, sodass beispielsweise Zählerdaten abgefragt oder Ladevorgänge von Elektrofahrzeugen gestartet werden können.

Die Komponenten und die integrierte Smart Home-Steuerung kommen von Homee. „Das modulare System von Homee ist ebenso einfach, wie überzeugend“, berichtet Georg Baumgardt. Lösungen unterschiedlicher Anbieter, wie etwa Heizungs- und Beleuchtungssteuerung oder Sprachassistenten, werden einfach über entsprechende Zusatzwürfel angebunden. Damit, so Baumgardt, könnten die Stadtwerke ihren Kunden ein universales System bieten, mit dem sie die für sie passende Smart Home-Konfiguration einfach und komfortabel umsetzen können. Zusätzlich stattete die IVU Softwareentwicklung den Würfel mit spezifischen IoT-Applikationen aus und machte ihn damit fit für digitale Mehrwertdienste der Stadtwerke. Georg Baumgardt: „Das Stadtwerk kann die Lösung komplett in seine Prozesse integrieren und behält dabei die volle Hoheit und den Zugang zum Kunden im künftig zunehmend umkämpften Smart Home-Markt.“

Sofort vernetzt

Damit die entsprechenden digitalen Services unmittelbar umgesetzt werden können, nutzt man für die Datenübertragung vom und zum Würfel die LoRa-Funktechnologie, die sich aufgrund ihrer hohen Reichweiten und ihrer guten Durchdringung inzwischen in vielen energie- und kommunalwirtschaftlichen Anwendungen durchzusetzen beginnt. Der Würfel fungiert dabei gleichzeitig als LoRa-Antenne und -Server. Somit ist keine zentrale LoRaWAN-Infrastruktur erforderlich, damit der Kunde beispielsweise die Daten seiner modernen Messeinrichtung oder die Einspeisung der Solaranlage abfragen kann. Das, so Baumgardt, diene auch der Datensicherheit, denn alle Daten würden – verschlüsselt – nur innerhalb des Hauses zwischen dem fraglichen Gerät und dem berechtigten Nutzer übertragen. Außerdem kann der Würfel per Bluetooth oder wMBus kommunizieren, was die technischen Möglichkeiten für die Geräteanbindung zusätzlich erweitert. „Ein sehr offenes, sofort nutzbares System, mit dem schon heute vieles möglich ist“, betont Georg Baumgardt. Für den Kunden sind die vielfältigen Funktionalitäten in einer einzigen Smartphone-App gebündelt, über die sich Verbrauchs- und Einspeisedaten visualisieren, Geräte steuern oder sogar Interaktionen festlegen lassen – also zum Beispiel die Waschmaschine anschalten, wenn über die Solaranlage gerade viel Strom eingespeist wird. Derartige Angebote sind für den Kunden interessant, weiß Georg Baumgardt.

Der Würfel ist erprobt und marktreif, Vertrieb und Support bei MeterPan stehen in den Startlöchern. (pq)

Kontakt: MeterPan GmbH, Georg Baumgardt, 22846 Norderstedt, info@meterpan.de

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