ProCom-Software unterstützt 50-MWh-Stromspeicher für Primärregelleistung

Mit über 50 Megawattstunden Kapazität und einer maximalen Leistung von 48 Megawatt ist der Stromspeicher der EnspireME GmbH – ein Gemeinschaftsunternehmen der Eneco Group und der Mitsubishi Corporation – das größte Batteriespeichersystem auf dem europäischen Festland. Bis zu 48 Megawatt Leistung kann das im deutschen Jardelund aufgestellte BESS (Battery Energy Storage System) in das Stromnetz des Netzbetreibers TenneT TSO GmbH einspeisen beziehungsweise Strom aus dem Netz aufnehmen. Davon sind 38 Megawatt für die Primärregelleistung qualifiziert. Die von ProCom entwickelte Software BoFiT unterstützt das Management des Systems.

Für das Batteriemanagement zieht ProCom’s Software BoFiT den Ladezustand des Speichers hinzu und errechnet auf dessen Grundlage den nötigen Strom an oder -verkauf. Foto: Eneco

„Batterien sind bezüglich Verfügbarkeit und wegen ihrer augenblicklichen Leistungsbereitstellung und kurzen Reaktionszeit ideal, um das Stromnetz schnell zu stabilisieren. Und sie arbeiten nachhaltiger und mit weniger Verlusten als die Anlagen, die heute typischerweise für Primärregelleistung eingesetzt werden“, sagt Paul Smeets, Leiter des Kurzfrist-Stromhandels bei Eneco. Das in einer 70 Meter langen und zwölf Meter breiten Halle installierte BESS ist das erste Projekt der Eneco und Mitsubishi Corporation. Daher standen beide Unternehmen bei der Konzeption, Planung und Umsetzung vor einigen Herausforderungen – beispielsweise hinsichtlich der

Wirtschaftlichkeit: „Die Wirtschaftlichkeit hängt stark von den möglichen Erlösen für Primärregelleistung ab. Vor der Inbetriebnahme von BESS hatten wir aber kaum Erfahrung auf dem Markt“, so Smeets. Zudem sei das Vorhaben nur mit Hilfe kompetenter Partner umzusetzen gewesen, darunter der Batteriespezialist NEC Energy Solutions, der Übertragungsnetzbetreiber TenneT und der Softwarelieferant ProCom.

Batteriemanagement mit Blick auf den Ladezustand Seit Ende Mai 2018 ist das BESS offiziell am Netz und konnte nach Angaben von Eneco auch schon die angestrebte Maximalleistung von 38 Megawatt ins Netz speisen. „Natürlich kommt es nicht nur auf die maximal mögliche Leistung an. Primärregelleistung muss für längere Zeiträume und höchst zuverlässig bereitgestellt werden“, hebt Smeets hervor. Daher werde die Kapazität des Batteriesystems auch nie komplett vermarktet. Sie wird zum (Wieder-)Laden der Batterie benötigt. „So können wir unsere Lieferzusagen auch dann einhalten, wenn wir beispielsweise eines der insgesamt 22 Batteriemodule zur Wartung außer Betrieb nehmen.“ Das Management des BESS übernimmt die ProCom-Software BoFiT. Die Software wurde speziell auf das Batteriesystem zugeschnitten, indem es den Batterieladestand optimiert, berichtet Smeets.

Für das Batteriemanagement analysiert BoFiT, ob der Ladezustand in einem vorgegebenen Toleranzbereich liegt – Smeets spricht hier von einem idealen Ladewert von 50 Prozent und einer kritischen Obergrenze von etwa 70 Prozent.

Das Batteriespeichersystem in Jardelund: Mit 70 Meter Länge und zwölf Meter Breite sowie einer Kapazität von 50 Megawattstunden ist es das größte auf dem europäischen Festland. Foto: Eneco

Die untere Grenze liegt bei rund 30 Prozent. Droht der Ladezustand des BESS das Toleranzband zwischen beiden Werten zu verlassen, errechnet ProCom’s Software den zum Gegensteuern benötigten Stroman oder -verkauf und erstellt daraufhin Vorschläge für den Intraday-Handel. Dabei berücksichtigt BoFiT auch die Dauer des Lade- beziehungsweise Entladevorgangs und ermittelt das passende Zeitfenster für den anstehenden Stromhandel, damit die Geschäfte zu bestmöglichen Konditionen getätigt werden. Die Vorschläge werden direkt an die Handelsabteilung von Eneco übermittelt und werden dort ohne manuelle Eingriffe an die Strombörse weitergeleitet. Oberstes Ziel bleibt dabei immer die Sicherstellung von Primärregelleistung, betont Smeets. „Die wirtschaftliche Optimierung ordnet sich an dieser Stelle unter.“ Neben der Primärregelleistung stellt das BESS auch Blindleistung bereit. Es ließe sich zudem für Sekundärregelleistung, beim Pooling oder zum Beispiel zur Vermarktung im Intraday- Handel nutzen. Ebenso könnte die Batterie den Strom nahegelegener PV- und Windparks aufnehmen, wenn die Energie wegen Netzengpässen nicht eingespeist werden kann. Diese Anwendung soll im Rahmen des Förderprogramms WTSH getestet werden. (vb)

www.procom-energy.de

www.eneco.com

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