Fehlerminimierung: Neuer Schutzteller sorgt für optimierte Spannungsqualität

Seit Entstehung des Stromnetzes sorgen – meist am frühen Morgen – sogenannte einpolige Fehler im Hochspannungsnetz für Spannungseinbrüche im Millisekunden-Bereich. Nachdem über Jahrzehnte der parallel zu Isolatoren abgesetzte Kotstrahl großer Vogelarten als überbrückende Ursache hierfür galt, hat das Bayernwerk eine neue Vermutung angestellt. Danach ist eine Schmutzschicht an Isolatoren für die einpoligen Fehler verantwortlich. Wird diese Schmutzschicht feucht, wie am frühen Morgen, kann es ebenfalls zum Phänomen einpoliger Fehler kommen.

Um diese physikalische Eigenschaft zu umgehen, hat das Bayernwerk in akribischer Feinarbeit Schutzteller entwickelt, welche die Verschmutzung und damit die einpoligen Fehler erheblich eindämmen sollen. Von Großmehring bei Ingolstadt bis in die Nähe von Preith im Landkreis Eichstätt statten das Bayernwerk und die Main-Donau Netzgesellschaft 144 Hochspannungs-Maste mit den neuen Schutztellern aus. Die Kunden beider Unternehmen profitieren davon. Gefertigt werden die Teller aus Spezial-Kunststoff, der schnell, einfach und kostengünstig auf Isolatoren montiert werden kann und deutlich die Verschmutzung durch Vogelkot vermindert.

Senkung um bis zu 70 Prozent

Schon die ersten Tests nach zweijähriger Entwicklungszeit offenbarten die Potenziale des neuen Schutztellers für Isolatoren: „Wir haben schnell gemerkt, dass die Spannungsschwankungen dort, wo unser Schutzteller im Einsatz ist, deutlich zurückgehen“, erklärt Wolfgang Tauber, der für die Netzleitstellen der Bayernwerk Netz GmbH verantwortlich ist und den neuen Schutzteller maßgeblich mit entwickelt hat. Das sei ein deutlicher Mehrwert für die Kunden, insbesondere für Betriebe mit sensiblen Maschinen. „Um bis zu 70 Prozent wurde eine Senkung der Spannungseinbrüche auf den Teststrecken registriert“, so der Verantwortliche.

Die Schutzteller des Bayernwerks sollen die Isolatoren vor Vogelkot schützen und so für eine optimierte Spannungsqualität sorgen. Foto: Bayernwerk

Die Erfolgsmeldungen veranlassten auch den Netzbetreiber Main-Donau Netzgesellschaft in einem gemeinsamen Pilotprojekt mit der Bayernwerk Netz GmbH die Hochspannungsleitung auf 45 Kilometern entlang Großmehring, Manching, Zuchering, Hagau, Gerolfing, Pettenhofen, Wolkertshofen, Pietenfeld, Eichstätt bis in die Nähe von Preith mit solchen Schutztellern auszustatten. In Summe werden so 144 Maste mit je sechs Tellern bestückt; 90 Maste mit 540 Schutztellern werden durch das Bayernwerk und 54 Maste mit 324 Schutztellern durch die Main-Donau Netzgesellschaft ausgestattet. Die Arbeiten laufen bis Ende Februar 2019.

Weitere Schutzteller in 2019

Mit diesem Gemeinschaftsprojekt untermauern die beiden Unternehmen die Innovationskraft und Zusammenarbeit der bayerischen Stromnetzbetreiber, um die Versorgungssicherheit der bayerischen Stromkunden stetig zu verbessern. „Die Reduktion der einpoligen Fehler ist auch in unserem Hochspannungsnetz ein Thema, an dem wir laufend arbeiten“, betont Gerald Höfer, Geschäftsführer der Main-Donau Netzgesellschaft. „Nach den positiven Erfahrungen aus den Feldtests möchten wir mit diesem Pilotprojekt auch Erfahrungen in unserem eigenen Netz sammeln. Wir sind gespannt, ob sich die erwarteten Erfolge auch in unserem Netz einstellen und werden daraus weitere Maßnahmen ableiten. Da die aus den Fehlern resultierenden Spannungseinbrüche über den eigentlichen Fehlerort hinaus regional spürbar sind und nicht an den Eigentumsgrenzen der Stromnetze halt machen, profitieren die Kunden beider Netzbetreiber von diesem gemeinsamen Pilotprojekt.“

Wolfgang Tauber dazu: „In einer industrie- und technologiestarken Region wie dem Großraum Ingolstadt-Eichstätt stellen die einpoligen Fehler eine Herausforderung dar. Mit dem Schutzteller haben wir eine einfache, schnelle und effektive Lösung, die unseren Kunden sofort hilft.“

Bereits im Juni 2017 testete das Bayernwerk die Schutzteller dafür auf einer Länge von 120 Kilometern. Nach Auswertung der Testergebnisse fand eine nochmalige Überarbeitung des Schutztellers statt. Tauber: „In einem deutlich erweiterten Feldtest auf einer Leitungslänge von rund 500 Kilometern folgte eine letzte Nagelprobe.“ Mittlerweile hat das Bayernwerk bereits 5.000 Schutzteller montiert. Die Anbringung weiterer 6.500 Schutzteller im ersten Halbjahr 2019 ist bereits beauftragt. In Planung ist der Einbau zusätzlicher 6.000 Schutzteller bis Ende 2019. (jr)

www.bayernwerk.de

www.main-donau-netz.de

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