Alte Windparks weiterbetreiben, statt ersetzen

Zum 1. Januar 2021 fallen Windräder mit einer Leistung von rund 4.000 Megawatt, die vor 20 Jahren oder noch früher in Betrieb genommen wurden, aus der EEG-Förderung heraus. Von da an werden jährlich Anlagen folgen: Bis 2026 werden rund 30 Prozent der aktuell installierten Windenergie-Leistung betroffen sein, gibt die NATURSTROM AG, ein Öko-Energieversorger mit Sitz in Düsseldorf, an. Doch: „Funktionstüchtige Altanlagen produzieren im Schnitt sehr günstig sauberen Strom“, sagt Oliver Hummel, Geschäftsführer von NATURSTROM. „Für die Energiewende, aber auch für jeden einzelnen Stromkunden ist es daher am besten, wenn sich alte Windräder noch ein paar Jahre weiterdrehen. Sie gegen Neuanlagen auszutauschen erhöht die Kosten für das EEG-System.“ In vielen Fällen werde zudem ein Ersatz durch eine neue Anlage aufgrund geänderter Abstandsregelungen und anderer Bestimmungen nicht einmal möglich sein, so Hummel. Betreiber stehen dennoch vor der Frage, ob sich der Weiterbetrieb alter Anlagen auch ohne die EEG-Vergütung lohnt.

Berechnung ergibt Einsparung von bis zu 1,6 Milliarden Euro

Bis zu 1,6 Milliarden Euro kann der Weiterbetrieb alter Windparks gegenüber deren Ersatz durch neue Anlagen einsparen – das ergibt eine Berechnung der NATURSTROM AG. Foto: NATRUSTROM AG

Wie hoch der Einspareffekt des Weiterbetriebs von Anlagen sein kann, rechnet NATURSTROM anhand der Erlösanforderungen von alten und neu zu errichtenden Windenergieanlagen vor. In einem Worst Case-Szenario, das von der Stilllegung aller Altanlagen ausgeht, würde die Erzeugung der wegfallenden Windstrommengen durch neu zu errichtende Anlagen in den Jahren 2021 bis 2026 insgesamt knapp 1,6 Milliarden Euro mehr kosten als günstigstenfalls durch die Altanlagen.

Als Basis für die Erlösanforderungen neu zu errichtender Anlagen wurden die Ergebnisse der drei Onshore-Ausschreibungsrunden 2018 herangezogen. Die Daten für Altanlagen lieferte eine Studie der Deutschen WindGuard im Auftrag des BWE. Kombiniert wurden die Informationen mit Angaben von Übertragungsnetzbetreibern zum Anlagenbestand sowie mit Annahmen zum Durchschnittlichen Weiterbetriebszeitraum und zur Anzahl der Volllaststunden von Altanlagen, die ebenfalls in einer Studie der Deutschen WindGuard publiziert wurden. „Der Worst Case wird nicht eintreten, da sind wir uns ziemlich sicher“, sagt Hummel. „Der Marktwert des Windstroms an der Strombörse hat sich 2018 deutlich erholt. Damit verringert sich die Diskrepanz zu den Erlösanforderungen von Neuanlagen – die Schere schließt sich. Steigende Börsenstrompreise werden zudem auch etliche Altanlagenbetreiber dazu motivieren, ihre Anlagen doch noch weiter laufen zu lassen.“ Dennoch warnt Hummel zugleich, dass der Weiterbetrieb in vielen Fällen keineswegs ein Selbstläufer sei.

NATURSTROM zählt nach eigenen Angaben mit seinen rund 240.000 privaten und gewerblichen Ökostromkunden zu einem der größten potenziellen Abnehmer von Windstrom aus Altanlagen. Das Portfolio der vertraglich gebundenen Wind- und Solarparks Anlagen habe das Unternehmen zuletzt gezielt auf knapp 900 Megawatt ausgebaut – darunter auch etliche ältere Windenergieanlagen. (vb)

www.naturstrom.de

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