Marktkommunikation 2020: IT-Dienstleister GISA unterstützt bei Umstellung auf MaKo2020

08.04.2019 – Das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende sieht vor, dass ab Ende 2019 die Verteilung der Daten aus dem intelligenten Messsystem sternförmig an alle Marktteilnehmer zu erfolgen hat. Das notwendige Festlegungsverfahren hat die Bundesnetzagentur vor wenigen Wochen abgeschlossen. Das Problem: Die Voraussetzung für das vorgesehene Zielmodell existiert noch gar nicht. Arlett Heinemann, Consultant Utility Solutions bei GISA, erläutert: „Ursprünglich war vorgesehen, dass die Daten aus den Smart Meter Gateways heraus verteilt werden.“ Bekanntermaßen gibt es am Markt jedoch bislang lediglich ein BSI-zertifiziertes Gateway – drei wären erforderlich, damit der Rollout starten kann. „Deshalb sieht die MaKo2020 vor, dass bis zur Verfügbarkeit von Gateways der zweiten Generation, die Aufbereitung und Verteilung von Messwerten durch das IT-System des jeweiligen Messstellenbetreibers zu erfolgen hat“, bestätigt BNetzA-Pressesprecher Michael Reifenberg.

Herausforderungen für alle Marktpartner

IT-Dienstleister GISA hat einen zeitlichen Plan zur Umsetzung der sternförmigen MaKo2020 erstellt. Ab dem 01. April sollen beispielsweise die Details zu Datenformaten vorliegen. Foto: GISA

Nun haben die Marktpartner bis zum 1. Dezember diesen Jahres Zeit, sich auf die neuen Regeln einzustellen. Die Details zu den Datenformaten sollen bis zum 1. April vorliegen. Parallel arbeiten die BNetzA und der BDEW an einem Einführungsszenario. „Die neuen Prozesse sollen stufenweise eingeführt werden“, erklärt GISA-Beraterin Heinemann. Das soll verhindern, dass sich etwaige Fehler durch die Vielzahl von Änderungen nicht mehr klar einem Prozess zuordnen lassen.

Eine Menge Arbeit also für die Messstellenbetreiber – und damit sind nicht nur die Netzbetreiber gemeint, die bisher die Messtellen in der Grundzuständigkeit betreiben. Auch wettbewerbliche Messstellenbetreiber, die der Kunde künftig frei wählen darf, müssen die neuen Prozesse implementieren. „Nach dem ersten Feedback des Marktes stehen die wettbewerblichen Messtellenbetreiber vor einigen Herausforderungen“, berichtet Christian Haase, GISA-Teamleiter Utility Solutions von seinen Eindrücken auf der E-World und anderen Gesprächen mit Branchenvertretern.

Weitreichende Änderungen

In der Tat wurden in allen Prozessdokumenten erhebliche Änderungen vorgenommen. Der ÜNB erhält künftig für alle mit einem iMSys ausgestatteten Marktlokationen die Aggregationsverantwortung. Zudem wird eine ganze Reihe von Prozessen neu eingeführt, etwa beim Austausch von Stammdaten, bei der Abrechnung oder bei Wechselprozessen. Andere Prozesse wurden gestrichen. Weitere Änderungen ergeben sich aus der Möglichkeit, dass der Messstellenbetreiber der Messlokation gegebenenfalls nicht mehr mit demjenigen der Marktlokation identisch ist – etwa bei der Abrechnung der Netznutzung gegenüber dem Lieferanten.

Dazu hat der Netzbetreiber, der bislang ja für die Messwertaufbereitung und -verteilung zuständig war, die erhobenen Messwerte aufbereitet und an den Lieferanten übermittelt. Im Anschluss konnte auch die Netznutzungsabrechnung an den Lieferanten versendet werden. Nun liegt die Verantwortung für die Messwertaufbereitung und -verteilung beim Messstellenbetreiber, sodass der Prozess der Netznutzungsabrechnung angepasst und um einen neuen Prozess zur Übermittlung des Lieferscheins erweitert werden muss. Konkret bedeutet das: Der Netzbetreiber erhält seine Abrechnungswerte vom Messstellenbetreiber. Bevor er die Netznutzung gegenüber dem Lieferanten aber abrechnen kann, muss er einen Lieferschein mit der abzurechnenden Leistung an den Messstellenbetreiber übermitteln. Die Idee dahinter ist es, dass alle Beteiligten die Möglichkeit bekommen sollen, sich vor Rechnungslegung abzustimmen und mögliche Unstimmigkeiten zu beseitigen. Darüber hinaus ist in beiden Prozessen laut MaKo 2020 das neue Dateiformat COMDIS zu berücksichtigen.

Investitionen in Prozesse haben Bestand

Foto: GISA

Für den Netzbetreiber bedeutet das im Ergebnis, dass er den neuen Prozess „Lieferschein“ einführen und den bestehenden Abrechnungsprozess hinsichtlich des Lieferscheins und des neuen Formats anpassen muss. „Zudem führt der Lieferschein-Prozess zur Zahlungsverzögerung, da die Rückmeldungsfrist durch den Lieferanten eingehalten sowie eine mögliche Reklamation des Lieferscheins berücksichtigt werden muss,“ führt Arlett Heinemann aus. Bei einer Stornierung des Lieferscheins würde es zu weiteren Verzögerungen kommen, da dann für die Abrechnung der Netznutzung ein neuer Lieferschein ausgestellt werden müsste.

„Die jetzt eingeführten Prozesse werden aus Sicht des Messstellenbetreibers Bestand haben, da sie die Abbildung der kommenden Marktprozesse im Zielmodell über Smart Meter Gateways vorwegnehmen,“ sagt Arlett Heinemann. Die Daten für die modernen Messeinrichtungen, die wohl noch lange die Mehrzahl der installierten Messsysteme ausmacht, werden weiterhin aus dem Backend des Messstellenbetreibers gesendet. Auch im Zielmodell mit intelligenten Messsystemen bleibt das System des Messstellenbetreibers wichtig – wenn es etwa nach Ausfällen Nachberechnungen anstellen muss.

Jetzt mit der Analyse beginnen

Doch auch wenn die letzten Entscheidungen noch ausstehen, empfiehlt GISA allen Marktpartnern dringend, jetzt die nötigen Änderungen in Angriff zu nehmen. Tatsächlich ist es in der Branche kein Geheimnis, dass die fachkundigen Kapazitäten in dieser Frage endlich sind. „Wir rechnen aktuell mit der Veröffentlichung des Einführungsszenarios im April/Mai“, schätzt Beraterin Heinemann. Daher empfiehlt sie, jetzt die genaue Analyse aller Prozesse vorzunehmen. Auf dieser Grundlage könnten im Sommer die Systeme angepasst werden, damit die MaKo2020 ab 1. Dezember gelebt werden kann.

Die GISA bietet im Mai noch einmal eine Webinar- Reihe zum Thema an. Auch beim GISA Infotag am 22./23. Mai ist die MaKo2020 natürlich ein Thema. Ein Whitepaper kann schon jetzt auf der Webseite heruntergeladen werden. (pq)

www.gisa.de

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