ORIGINAL ENERGIE

Als mittelständischer Versorger haben die Stadtwerke Oranienburg den Weg an den bundesweiten Strommarkt gewagt. Nun wurden sie als „Heizstromanbieter 2018“ ausgezeichnet.

Der wirtschaftliche Druck auf die Stadtwerke ist hoch und die Digitalisierung soll neue Ertragsquellen erschließen. Doch in der Praxis herrscht gerade bei kleinen und mittleren Versorgern vielfach Unsicherheit, welches Geschäftsmodell geeignet ist und wie man es umsetzt. Genau diese Fragen beschäftigten auch die Stadtwerke Oranienburg, einen kommunalen Versorger mit rund 22.000 Stromanschlusskunden, als dort vor etwa zweieinhalb Jahren die Vertriebsstrategie neu diskutiert wurde. „Auch wir spürten natürlich die wirtschaftlichen Folgen der Veränderungen am deutschen Strommarkt“, berichtet Geschäftsführer Alireza Assadi, und sein Vertriebsleiter André Gerisch ergänzt: „Diesen Entwicklungen wollten wir frühzeitig entgegentreten.“

Foto: Stadtwerke Oranienburg

Foto: Stadtwerke Oranienburg

Wachstum im Kerngeschäft

Bei den Stadtwerken Oranienburg standen keine unbegrenzten Ressourcen für den Aufbau neuer Geschäftsfelder zur Verfügung. Auch sollten die neuen Vertriebsaktivitäten die Bestandskundenbetreuung natürlich nicht beeinträchtigen. Vor diesem Hintergrund wurden mögliche Optionen geprüft. „Letztendlich haben wir beschlossen, uns auf ein Segment zu fokussieren, das wir bereits beherrschen – den Stromhandel“, erinnert sich Assadi. Konkret entschied man sich für die Entwicklung eines Online-Stromprodukts, welches bundesweit angeboten werden sollte. Dieses ermöglicht den Oranienburgern sogar, von einem Trend zu profitieren, den Stadtwerke gemeinhin mit Sorge betrachten: „Aus Sicht des Grundversorgers ist die steigende Wechselbereitschaft der Kunden eine Bedrohung, aus Sicht eines gut aufgestellten Stromlieferanten liegt hier aber auch für kleinere Unternehmen eine sehr attraktive Chance“, erläutert Vertriebsleiter Gerisch. Als weiterer Vorteil ergab sich, dass die erforderlichen Anfangsinvestitionen überschaubar blieben – etwa musste die IT-Infrastruktur im Sinne einer Standardisierung und Automatisierung der MaKo-Prozesse angepasst werden. Zudem bot die gewählte digitale Strategie den Stadtwerken Oranienburg die Möglichkeit, kontrolliert zu wachsen, dabei Erfahrungen zu sammeln und nötigenfalls Anpassungen vorzunehmen.

Nachhaltigkeit als Markenkern

Im ersten Schritt stand die Entwicklung von Marke und Produkt an. Der Markenname ORIGINAL ENERGIE lehnt sich eng an den Auftritt der Stadtwerke an, die sich bei ihren Kunden als das ORIGINAL aus und für ORANIENBURG positionieren. So wird deutlich, dass hinter der digitalen Marke ein vertrauenswürdiger regionaler Versorger steht. Auch beim Produktdesign legten die Oranienburger großen Wert auf Nachhaltigkeit, Seriosität und Kundennähe. Dass man sich auch online nicht ausschließlich über den Preis differenzieren wollte, stand dabei von vorneherein fest. „Wir sind nicht die günstigsten und wollen das auch gar nicht sein“, macht der Geschäftsführer klar. „Die jüngste Insolvenz der BEV mit ihren negativen Auswirkungen für die Kunden zeigt, dass ein ruinöser Preiskampf niemandem dient.“ Auch von Bonuszahlungen oder teuren Sachprämien für Neukunden hält man in Oranienburg nicht viel. „Solche Anreize sind für alle Beteiligten riskant, denn sie müssen nicht selten im Folgejahr über den Preis wieder hereingeholt werden“, meint André Gerisch. Vor diesem Hintergrund wurde ein einfaches, transparentes Angebot entwickelt. „Wir bieten 100 Prozent Ökostrom, den wir schon seit 2014 in unserem Portfolio haben. Dahinter stehen Ökozertifikate von Wasserkraftwerken“, erläutert Gerisch.

„Ein fairer Preis – sonst nichts“

Kunden können zwischen drei Tarifen wählen. Neben Haushalts- und Gewerbestrom bieten die Stadtwerke Oranienburg auch einen speziellen Heizstromtarif für Wärmepumpen und Nachtspeicherheizungen in Wohngebäuden an. „Wärmepumpen gewinnen als moderne Alternative zu Heizungen, die mit Öl, Gas und Kohle arbeiten, immer mehr Verbreitung in Deutschland und sind bei Neubauten oft erste Wahl“, erläutert André Gerisch. Boni oder Sonderzahlungen gibt es bei ORIGINAL ENERGIE nicht, dafür aber einen, wie Alireza Assadi betont, „absolut fairen Preis“, der über 12 Monate garantiert wird. Einen zusätzlichen Anreiz bietet die monatliche Kündbarkeit sowie ein umfangreicher Kundenservice über unterschiedliche Kanäle. Zwischenzeitlich kann über ORIGINAL ENERGIE auch Gas bezogen werden. Vertrieben werden die Produkte seit der Markteinführung 2017 ausschließlich online, über eine eigene Website und seit einiger Zeit auch über Vergleichsportale. Auch das Marketing erfolgt nur über digitale Kanäle.

Ausgezeichnetes Konzept

Bis heute verzeichnet ORIGINAL ENERGIE ein gesundes Wachstum, berichtet Geschäftsführer Assadi: „Wir sind mit einigen hundert Kunden gestartet, unser nächster Meilenstein ist die 10.000 Kunden-Marke.“ Die Prozesse wurden von Beginn an sehr engmaschig kontrolliert und gesteuert – „das läuft alles hervorragend“, sagt André Gerisch. Im November 2018 schließlich wurden die Stadtwerke Oranienburg mit ihrem Online-Heizstrom-Tarif Testsieger der von n-tv und dem Deutschen Institut für Service-Qualität (DISQ) durchgeführten Vergleichsstudie. Das Ergebnis – Qualitätsurteil „sehr gut“ – spricht für sich: „Der Anbieter verfügt über die besten Konditionen und überzeugt dabei mit den im Schnitt günstigsten Preisen und kundenfreundlichsten Vertragsbedingungen.“ Auch im Service erzielten die Oranienburger ein gutes Ergebnis, wie das DISQ herausstellt: „Die E-Mails werden überdurchschnittlich schnell beantwortet und am Telefon erhalten Anrufer eine freundliche Beratung mit ausnahmslos korrekten Auskünften.“

Kein Wunder also, dass das Führungsteam der Stadtwerke mit der digitalen Vertriebsoffensive zufrieden ist. „Wir haben uns hier ein gutes neues Standbein geschaffen“, fasst Alireza Assadi zusammen. Trotz der Herausforderungen, die dabei bewältigt werden mussten, hält er die weit verbreitete Angst vieler Stadtwerke vor neuen digitalen Geschäftsmodellen für unbegründet. „Wer will, der kann“, sagt er lapidar. „Wichtig ist, dass man überhaupt anfängt.“ Patenrezepte gäbe es dabei aber nicht. „Jedes Stadtwerk muss seine eigene Digitalstrategie entwickeln und diese Schritt für Schritt umsetzen.“ Getreu dieser Maxime sind die Stadtwerke Oranienburg inzwischen auch in anderen neuen Geschäftsfeldern aktiv: Die angebotenen Quartiers- und Wärmekonzepte rechnen sich bereits und auch Angebote zur Elektromobilität wurden gestartet. (pq)

Kontakt: Stadtwerke Oranienburg GmbH, Peter Schrameyer, 16515 Oranienburg, Tel. +49 (0)3301 608 640, presse@stadtwerke-oranienburg.de

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