RhönEnergie und PcVue: Einsparpotenzial durch Energiemonitoring und intelligente Gebäudesteuerung

Energiemonitoring und intelligente Gebäudesteuerung bieten auch für kommunale Liegenschaften erhebliche Einsparpotenziale. Die RhönEnergie Fulda hat gemeinsam mit dem Softwarehaus PcVue Solutions ein Dienstleistungsangebot entwickelt.

Ende vergangenen Jahres wurde die geänderte EU-Energieeffizienz-Richtlinie 2018/2002 verkündet. Sie verpflichtet die Mitgliedsstaaten, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um 4,4 Prozent des jährlichen Energieverbrauchs bis zum Jahr 2030 einzusparen. Für den kommunalen Sektor gibt es keine verbindlichen Vorgaben, doch Experten gehen davon aus, dass sich das bald ändern wird. Immerhin gehen, Erhebungen des BMWi zufolge, etwa zwei Drittel des Energieverbrauchs im öffentlichen Bereich auf das Konto von Gemeinden und Landkreisen sowie von gemeinnützigen Organisationen. Ganz unabhängig von der gesetzlichen Verpflichtung kann jede Kommune durch Maßnahmen zur effizienteren Energienutzung nicht nur die Umwelt, sondern auch den eigenen Haushalt erheblich entlasten.

Mehr als Monitoring

Für eine effiziente Beheizung sorgen ein engmaschiges Verbrauchsmonitoring sowie eine Intelligente Steuerung. Foto: PcVue

Für eine effiziente Beheizung sorgen ein engmaschiges Verbrauchsmonitoring sowie eine Intelligente Steuerung. Foto: PcVue

Für die RhönEnergie Fulda waren diese Gegebenheiten Anlass genug, das Thema Energieeffizienz für kommunale Liegenschaften als neues Geschäftsfeld zu entwickeln. Der Anspruch war hoch, denn das Angebot sollte von Beginn an sehr flexibel und zukunftsfähig ausgelegt sein und über das reine Verbrauchsmonitoring hinausgehen. „Kommunale Liegenschaften haben sehr unterschiedliche Versorgungs- und Nutzungskonzepte, die sich zudem in Zukunft verändern können.“ berichtet Theo Leinweber, der bei der RhönEnergie Fulda Effizienz + Service GmbH für das Angebot zuständig ist. Gleiches gilt für mögliche Dienstleistungen, wie der Leiter Energieeffizienzberatung ausführt: „Bei manchen Liegenschaften mag es ausreichen, den Stromverbrauch zu überwachen. In anderen Fällen macht es Sinn, die Heizungsanlage automatisch zu steuern und in Zukunft sind wir vielleicht gefordert, PV-Anlagen, Speicher oder E-Ladesäulen zu integrieren.“

Konkret wollten die Fuldaer daher ein SPS-basiertes System nutzen, das zum einen unterschiedlichste Daten auslesen, visualisieren und analysieren kann, zum anderen aber auch einen steuernden Zugriff auf die Anlagen ermöglicht. „Eine Lösung zu finden, mit der das umsetzbar ist, hat relativ lange gedauert“, erinnert sich Leinweber. Nach intensiven Recherchen wurde die RhönEnergie Fulda bei PcVue aus Landshut fündig. Das Unternehmen bietet ein HMI/SCADA-System an, das in einem gemeinsamen Entwicklungsprojekt exakt für den geplanten Einsatz ausgelegt wurde. „Das System verfügt über eine Vielzahl von Kommunikationsschnittstellen und ist auch hinsichtlich der Oberfläche und der Funktionalität absolut offen“, berichtet Theo Leinweber. Bei der Projektentwicklung wurde auf die Wünsche der Kommunen eingegangen und das System aus diesem Grund modular und herstellerunabhängig aufgebaut.

Komplexe Anwendungsfälle im System

Das Projekt, an dem aktuell acht Kommunen beteiligt sind, begann im August 2017 und wurde vor wenigen Monaten life geschaltet, wie Nikolaj Ostheimer berichtet, der die Rhön­Energie Fulda als Sales Engineer bei PcVue betreut. Zwischenzeitlich sind zwanzig Liegenschaften eingebunden, darunter beispielsweise Kindergärten oder Bürgerhäuser. Speziell dort zeigt sich, welche komplexen Gegebenheiten durch das System abgedeckt werden müssen: „Die einzelnen Räume dort werden manchmal fast ganztägig von verschiedenen Organisationen für unterschiedliche Zwecke genutzt“, erzählt Theo Leinweber. Die verschiedenen Verbräuche müssen detailliert abgebildet werden, gleichzeitig will der Betreiber sehen, ob alle Anlagen ordnungsgemäß funktionieren und idealerweise soll auch noch sichergestellt sein, dass nur so viel Energie verbraucht wird, wie die Nutzer tatsächlich benötigen.

Mit dem neuen System sei das problemlos möglich, so der Projektleiter. Die Energieverbräuche aus den Strom-, Wasser- und Wärmemengenzähler werden in den Liegenschaften jeweils durch Steuerungen der Firma WAGO erfasst. Auch Füllstände von Heizöltanks und Gasverbräuche misst die RhönEnergie Fulda. „Theoretisch können wir praktisch beliebige Sensoren, Steuerungen oder Geräte einbinden“, ergänzt Nikolaj Ostheimer. Die Steuerungen sind über ein Netzwerk VPN mit einem zentralen Server bei der RhönEnergie Fulda verbunden, auf dem die Software PcVue installiert ist. Die Kommunikation mit den WAGO Steuerungen erfolgt über Modbus TCP/IP. Zum Einsatz auf dem Server kommt eine SQL Datenbank, die die Rohwerte der Energiezähler aggregiert und mit dem SQL Report Builder Berichte für die unterschiedlichen Anwendungsfälle erstellt. „Wenn Energieaudits auch für die Kommunen eines Tages Pflicht werden, können wird die dafür notwendigen Reports mit geringem Aufwand bereitstellen“, sagt Theo Leinweber. Das Benutzermanagement wird mit der Software PcVue administriert. Berechtigte Personen melden sich mit Ihren Benutzer- Login im PcVue Webportal an und erhalten Zugriff für Auswertungen der jeweils betreuten Liegenschaft.

Detaillierte Informationen per Web

Das Energiemanagementsystem von RhönEnergie Fulda und PcVue zeigt  sämtliche Verbräuche  auf einen Blick. Foto: PcVue

Das Energiemanagementsystem von RhönEnergie Fulda und PcVue zeigt
sämtliche Verbräuche
auf einen Blick. Foto: PcVue

Im Webportal sind stets die aktuellen Zählerstände aller angebundenen Medien zu sehen, auch historische Daten und Trends für definierte Zeiträume lassen sich darstellen. „Auf diese Weise lässt sich beispielsweise schnell erkennen, wenn im Kindergarten während der Ferien das Licht brennt oder irgendwo ein Wasserrohr leck ist. „Wir haben zusätzlich Steckbriefe aller Anlagen im System hinterlegt, so dass man sehr schnell erkennen kann, ob alles ordnungsgemäß funktioniert“, berichtet Leinweber. Je nach Service-Level kümmert sich die RhönEnergie Fulda um die Bereitstellung der Daten, übernimmt zusätzlich das Monitoring oder erledigt sogar das Störungsmanagement.

Als Zusatzfunktion wird ein WebScheduler eingesetzt, der Zeitschaltprogramme für Heizungsanlagen umsetzt – beispielsweise um Tag-Nacht-Absenkungen zu erreichen. Betriebszeiten und Solltemperaturen können ebenfalls mit PcVue eingestellt werden. „Gerade hier liegen enorme Einsparpotenziale für die Kommunen, die eigentlich nur durch automatisierte Verfahren erschlossen werden können“, ist Theo Leinweber überzeugt. „Einen Mitarbeiter zu beschäftigen, der sich ganztägig um einen energieoptimierten Betrieb der Heizung kümmert, ist definitiv keine Option.“ Das sehen wohl auch die umliegenden Kommunen so, denn wie der Projektverantwortliche berichtet, ist die Nachfrage hoch.

Das Projekt wird kontinuierlich erweitert. Zukünftig will die RhönEnergie Fulda auch den umliegenden Gewerbebetrieben Dienstleistungen auf Basis des Energiemonitoring-Systems von PcVue anbieten. (pq)

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