Roaming-Partnerschaften: Optimales Ladeerlebnis bei Elektroautos über alle Netze hinweg

06.09.2019 – Lücken in der deutschen Ladeinfrastruktur hemmen die Akzeptanz und die Weiterverbreitung der Elektromobilität. Viele Fahrer scheuen die höheren Kosten oder haben Sorge auf der Strecke liegen zu bleiben. „Eine Lösung dafür könnten Roaming-Vereinbarungen sein“, sagt André ten Bloemendal, Vice President Commercial Sales Europa von CharePoint. „Sie erweitern das Ladenetzwerk anbieter- und grenzüberschreitend. Nordamerika macht es vor – Deutschland hingegen muss noch nachlegen.” Was der Ladeinfrastruktur-Experte über die Roaming-Möglichkeit denke und welche Lösungen er dafür sieht, lesen Sie im folgenden Meinungsbeitrag.

Die Entwicklungen bei Batteriegröße, Effizienz der Fahrzeuge und der Ladeinfrastruktur von Elektroautos sind in den letzten Jahren weit vorangeschritten. Doch in Deutschland ist es immer noch eine große Herausforderung, eine funktionstüchtige Ladestation zu finden, die gerade frei und nicht zu teuer ist. Obwohl die Zahl der Ladepunkte täglich wächst, decken einzelne Anbieter immer noch nicht genügend Fläche mit ihren Stationen ab. Das Ladenetzwerk ist also lückenhaft.

Die Ladesäuleninfrastruktur ist nicht nur in Deutschland eines der Trendthemen der Branche. Auch in Europe wird die Möglichkeit von Roaming-Vereinbarungen diskutiert, um die Elektromobilität zu stärken. Foto: Pixabay/Markus_Roider

Die Ladesäuleninfrastruktur ist nicht nur in Deutschland eines der Trendthemen der Branche. Auch in Europe wird die Möglichkeit von Roaming-Vereinbarungen diskutiert, um die Elektromobilität zu stärken. Foto: Pixabay/Markus_Roider

Die Situation erinnert sehr an die Einführung von Mobiltelefonen – damals ein modernes Wunderwerk, mit dem sich in die ganze Welt telefonieren ließ. Reiste man allerdings mit dem Handy ins Ausland, musste man sich auf unzureichenden oder gar fehlenden Netzempfang einstellen. Telefonate aus dem Urlaub in die Heimat waren sündhaft teuer und manchmal war es sogar notwendig, eine separate SIM-Karte für den Auslandsaufenthalt zu kaufen. Bis vor kurzem verhielt es sich bei Elektroautos genauso: Fahrer mussten sich ebenfalls Konten und Mitgliedskarten bei zahlreichen Anbietern anlegen, was teils mit zusätzlichen Kosten verbunden war. Selbst für überzeugte Fans der Elektromobilität eine Zumutung.

Win-Win-Situation für Fahrer und Ladesäulenbetreiber

Die meisten Anbieter von Ladesäulen haben dieses Problem jedoch erkannt und schaffen mit Roaming-Partnerschaften nun ein besseres Fahrererlebnis. Viele Vereinbarungen sind bereits unterzeichnet und weitere sind in Planung. Fahrer sollen Ladestationen der verschiedenen Anbieter nutzen können – ohne sich mehrere Konten und Mitgliedschaften anlegen zu müssen. Dies wiederum unterstützt die Einführung von Elektrofahrzeugen auf dem Massenmarkt. Denn: Arbeiten Netzbetreiber zusammen, so wird Fahrern der Zugang zu Ladestationen nicht nur erweitert, sondern auch so einfach wie möglich gemacht. Die Sorge, wo und wann man sein Fahrzeug aufladen kann, löst sich in (saubere) Luft auf.

Ähnlich wie bei Mobiltelefonen sind Roaming-Partnerschaften von Ladensäulenbetreibern also eine Win-Win-Situation, welche die Akzeptanz für Elektrofahrzeuge beschleunigen sollte. Ohne derartige Peer-to-Peer-Vereinbarungen zwischen den Anbietern müssten Fahrer immer mehr Konten eröffnen oder eine dritte Partei würde involviert werden, was Komplexität und mehr Kosten für Fahrer und Unternehmen bedeutet. Bilaterale Vereinbarung erleichtern das Ladeerlebnis und stellen sicher, dass keine zusätzlichen Kosten für Fahrer entstehen.

Mit der passenden App alles im Blick

Innerhalb Europas ist das Aufladen dank Roaming schon viel einfacher geworden. Mittels App auf einem Smartphone finden Fahrer eine passende Ladestation in der Nähe – egal, wer diese betreibt. In der App ist gelistet, ob die Station verfügbar ist, wieviel der Ladevorgang kostet und wo die Station überhaupt steht. Dank solcher Apps, beispielsweise von ChargePoint, können Fahrer durch ganz Europa reisen – immer mit der Sicherheit, eine passende Ladestation zu finden.

Unterm Strich lässt es sich so zusammenfassen: Roaming bewahrt Fahrer vor (zu) hohen Kosten – die Preise erfahren die Anwender im Vorfeld in der App – und ermöglicht ihnen gleichzeitig, an mehr Stationen aufzuladen. So wird es stressfreier ein Elektrofahrzeug zu nutzen – was wiederum zu mehr Elektromobilität und weniger Luftverschmutzung führt. Auf der anderen Seite haben auch Betreiber von Ladestationen deutliche Vorteile durch Roaming: Weil mehr Fahrzeuge bei ihnen aufladen können, wird die Installation von Ladestationen attraktiver und die Amortisationszeit verkürzt.

Nordamerika ist Roaming-Vorreiter

Sind wir schon soweit? Einige Anbieter öffnen ihre Ladenetze bereits, doch noch mehr müssen zusammenarbeiten. Vorreiter sind hier Ladenetzbetreiber in Nordamerika. Fahrer in den USA und Kanada können ihre Fahrzeuge in unterschiedlichen Netzen aufladen und so problemlos die Grenze überschreiten. ChargePoint gehört zu den ersten Anbietern, die Roaming-Partnerschaften in Nordamerika und Europa aufgebaut haben. Der Zusammenschluss mit Wettbewerbern wird die Einführung von Elektrofahrzeugen beschleunigen. Denn nur wenn sich Fahrzeuge sorgenfrei aufladen lassen, gelingt der Durchbruch. Wenn es erst mehr Ladestationen gibt, können E-Fahrer die verschiedenen Funktionalitäten entdecken: Vom Fernstarten des Ladevorgangs zur Überprüfung des Energieverbrauchs und des Ladevorgangs in Echtzeit, sowie Wartelistenfunktionen und Benachrichtigungen.

Jeder muss seinen Teil dazu beitragen, dass der Übergang zur Elektromobilität Realität wird: Autohersteller, die immer mehr Elektrofahrzeuge auf den Markt bringen und zeitgleich den Verkauf von Autos mit Verbrennungsmotor schrittweise einstellen, bis hin zu Netzen, die direkt miteinander verbunden sind, um Ladehindernisse zu beseitigen.

Deutschland hinkt hinterher

Doch in Deutschland geht die Einführung von Roaming immer noch nur schleppend voran. Einige der großen Anbieter operieren weiterhin in isolierten Netzwerken, die nicht miteinander kommunizieren. Deutsche Fahrer können noch nicht bequem überall aufladen und so bleibt das große Potenzial von E-Fahrzeugen als Zukunftsfahrzeug ungenutzt.

Um das zu ändern, investiert die deutsche Bundesregierung in verschiedene Förderprogramme und Steuervorteile für elektrisch betriebene Firmenwagen. Bis 2020 sollen 300 Millionen Euro in den Aufbau von mindestens 15.000 Ladestationen fließen. Die Bundesregierung will damit den bedarfsgerechten Ausbau eines flächendeckenden Schnell- und Normalladenetzes vorantreiben. Auch die verschiedenen Bundesländer unterstützen den Wandel hin zu Elektromobilität mit verschiedenen Förderprogrammen. Wir alle können gespannt sein, wohin die Reise geht.

www.chargepoint.com

Disclaimer: Dieser Beitrag wurde von André ten Bloemendal, Vice President Commercial Sales Europa, ChargePoint, verfasst und gibt dessen Meinung wieder. (jr)

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