Deutschlands erste Flugwindkraftanlage erfolgreich erprobt

30.07.2020 – Ein Konsortium bestehend aus den Projektpartnern SkySails Power, EnBW, EWE OSS und der Leibniz Universität Hannover erprobt in Schleswig-Holstein den Betrieb eins fliegenden Windkraftdrachen. Der Flugdrache ist 120 Quadratmeter groß und hat nun die luftfahrtrechtliche Evaluierung erfolgreich bestanden. Die Pilotanlage kann damit in den Dauerbetrieb übergehen. Zu der luftfahrtrechtlichen Evaluierung gehörten u.a. die Validierung von Betriebs- und Sicherheitskonzepten im Tag- und Nachtbetrieb.

SkySailsPower_Airborne Wind Energy System_Flight_2
Die SkySails Power Flugwindkraftanlage kann im Höhen bis zu 800 Meter aufsteigen. Bild: obs/SkySails Power GmbH/SkySails Group

Eine Flugwindkraftanlage besteht aus einer Bodenstation mit einer Seilwinde, in die ein Generator integriert ist. Für die Energieerzeugung zieht ein automatisch gesteuerter Drachen das Seil von der Winde und der Generator erzeugt Strom. Wenn das Zugseil seine maximale Länge erreicht hat, beginnt die Rückholphase: Der Drachen wird in eine Position geflogen, in der seine Zugkraft sehr gering ist. Der Generator arbeitet nun als Motor und wickelt das Seil auf, bis die Länge des Seils kurz genug für die nächste Stromerzeugungsphase ist. Dieser Rückholprozess benötigt nur einen Bruchteil der Energie, die während der Leistungsphase erzeugt wird.

Flugwindkraftanlagen als Weiterentwicklung des klassischen Anlagenbaus

Flugwindkraftanlagen nutzen den energiereichen und konstanten Wind in Höhen von bis zu 800 Metern. Das Ergebnis ist eine sehr stetige Stromproduktion, so dass mit Hilfe der Höhenwindkraft mehr und besser steuerbar Energie aus Wind gewonnen werden kann. Der landschaftliche Eingriff für den Bau von Flugwindkraftanlagen ist dabei deutlich geringer als bei konventionellen Windenergieanlagen und die Bauweise erlaubt auch das Erschließen von schwer zugänglichen Gebieten. Gleichzeitig nehmen Flugwindkraftanlagen dank ihrer schlanken Konstruktion und dem damit verbundenen minimalen Schattenwurf sowie sehr niedrigen Schallemissionen in besonderer Weise Rücksicht auf Mensch und Tier. Folglich stellen Flugwindkraftanlagen eine zukunftsweisende Ergänzung zu bisherigen Windkraftanlagen dar.

Die getestete Anlage wurde im Rahmen des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Projekts „SkyPower100“ errichtet. Aus dem Betrieb der Flugwindkraftanlage will das Konsortium Erkenntnisse für die Weiterentwicklung und Skalierung von Flugwindkraftanlagen sowie zu Umwelteinflüssen, Sicherheitsaspekten und Genehmigungsvoraussetzungen gewinnen. Dazu gehören z.B. Gutachten zu Geräuschemissionen, Avifauna und Luftverkehrssicherheit. (ds)

www.skypower100.de