Netzstabilisierende Batterien im Wasserkraftwerk

04.08.2020 – In Schweden nimmt Uniper eine Batterielösung in zwei Wasserkraftwerken in Betrieb. Ziel: Schneller auf Frequenzabweichungen reagieren und damit die Stabilität des Stromnetzes erhöhen.

Schweden gilt in Europa als Vorreiter bei der Transformation des Energiesystems. Das skandinavische Land erzeugt, bemessen am Bruttoenergieendverbrauch, einen Anteil von etwa 55 % aus regenerativen Quellen. Bis 2040 ist ein kompletter Umstieg auf erneuerbare Energien vorgesehen. Hierzu soll vor allem der Ausbau der Windkraft als Alternative zur Wasserkraft beitragen, da bei letzterer eine Kapazitätssteigerung nur schwer möglich und von der Politik auch nicht geplant ist. Bei all diesen positiven Nachrichten gibt es auch im Energiewende-Vorzeigeland beträchtliche Herausforderungen zu bewältigen, wie Christoph Röhrig, Ingenieur Electrical Engineering bei Uniper Technologies, erklärt: „In Schweden ist die Netzfrequenz deutlich volatiler als in Deutschland. Durch die Kombination von Wasserkraft und Batterien sollen die Energiepotenziale der Kraftwerke flexibel und effizient nutzbar gemacht werden.“

Nie vollgeladen

Bei der Uniper-Lösung sollen die Batterien die schnelle Reaktion auf Frequenzabweichungen ermöglichen, während der Generator des Kraftwerks nachgeregelt wird und die geforderte Leistung ins Netz speist. Die Lithium-Ionen-Batterien laufen parallel zum Kraftwerksgenerator in beide Richtungen, der Einspeisepunkt liegt auf der Mittelspannungsebene. Bei einer Frequenzabweichung nach unten wird den Batterien Energie entnommen, ist zu viel Energie im Netz, wird der Batteriespeicher aufgeladen. „So wird der mittlere Ladestand der Batterien relativ gering gehalten, der State of Charge liegt im Bereich um 50 Prozent“, so Christoph Röhrig.

Wasserkraftwerk Loeven Schweden Uniper
Wasserkraftwerk Loeven Schweden Uniper

Der Einsatz der Batterietechnologie soll in zwei Wasserkraftwerken in Mittelschweden nahe der Stadt Sundsvall in der Provinz Västernorrlands erfolgen. Im Dezember 2019 war Projektbeginn, bereits Ende 2020 soll das erste Batteriesystem in Betrieb gehen, das zweite soll Mitte 2021 folgen.

Die Leistung des Wasserkraftwerks in Edsele beträgt 34 Megawatt (MW) und wird ergänzt um den Batteriespeicher mit 6 MW, die Anlage in Lövön leistet 54 MW erweitert um 9 MW. Beide Standorte wurden laut Uniper aufgrund des Beschlusses des schwedischen Netzbetreibers Svenska Kraftnät, den Kapazitätsmarkt für stabilisierende Netzdienstleistungen zu öffnen, ausgewählt, um den wachsenden Bedarf an schneller Frequenzregulierung zu erfüllen und damit die Netzstabilität zu verbessern. Uniper will beide Standorte für FCR-N und FCR-D (Fast Containment Reserve, -Normal operation/-Disturbance) präqualifizieren.

Modulare Container-Lösung

Das Batteriesystem, bestehend aus vier Batteriecontainern und einem Container für Schaltanlagen, wird von einem führenden Ingenieur- und Technologieunternehmen geliefert. Der Anschluss des Batteriespeichersystems an das Kraftwerk wird durch Uniper ausgeführt. Im Hause Uniper arbeite man bereits daran, die Technologie in der Breite anwenden zu können – zunächst im Wasserkraftwerksystem Schwedens, wobei eine Ausweitung auf andere europäische Länder vorstellbar sei: „Das neue Batteriesystem hat sehr gute Chancen, eine wettbewerbsfähige Lösung für den Systemdienstleistungsmarkt in Europa zu werden. Gleichzeitig passt das Produkt bestens zu unserer Strategie, unser Portfolio Schritt für Schritt klimafreundlich zu gestalten“, verkündet David Bryson, Chief Operating Officer der Uniper SE.

Ziel des Konzerns ist es, verstärkt in die Nutzung CO2-freier Energiequellen für zukünftiges Wachstum zu investieren und bis 2035 in Europa selbst klimaneutralzu sein. (ds)

Uniper Technologies GmbH
Christoph Röhrig
christoph.roehrig@uniper.energy
www.uniper.energy

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