Kundenmonitor Energiemarkt 2020: Beratungsdefizite bei Thema Energetische Sanierung?

06.08.2020 – Mehr als jeder fünfte Wohneigentümer (22 Prozent) in Deutschland plant, seine eigenen vier Wände innerhalb der nächsten fünf Jahre energetisch zu sanieren. Weitere 62 Prozent zeigen zumindest Interesse daran. Das ergaben repräsentative Befragungen, deren Ergebnisse im Kundenmonitor Energiemarkt 2020 des Forschungs- und Beratungsinstituts Sirius Campus vorgestellt werden Die Untersuchung beleuchtet Potenziale, Treiber und Hürden für die energetische Sanierung von privatem Wohneigentum in Deutschland – einem Markt von bisher immerhin 9 Mrd. Euro jährlich, und mit zusätzlichen Steigerungspotenzialen von 580.000 Haushalten und insgesamt rund 1,6 Mrd. Euro, so die Forscher.

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Kundenmonitor Energiemarkt 2020 zu Investitionsbereitschaft und Entscheidungsverhalten privater Haushalte in puncto Energiesparen, Energiekauf und energetische Sanierung. Grafik: obs/Sirius Campus GmbH

Fast alle modernisierungswilligen Wohneigentümer (92 Prozent) beschreiben sich selbst als „Beratungskunden“. Das heißt: Sie würden sich nur nach einer ausführlichen Beratung für eine energetische Sanierung ihrer Immobilie entscheiden. Interessierte Hausbesitzer und Wohnungseigentümer wünschen dabei vor allem ganzheitliche Beratungsansätze von der Planung bis zum Förderantrag.

Energieversorger: Hohes Kundenvertrauen, wenig Bedeutung

Hier wären, so die Autoren der Studie, die Energieversorger gefragt, denen drei Viertel der Wohneigentümer (74 Prozent) in diesem Zusammenhang vertrauen, sogar bei schlüsselfertigen „Rund-um-sorglos-Angeboten“ inklusive langjährigen Wartungsservices. In der gegenwärtigen Umsetzungspraxis energetischer Modernisierungen spielen diese allerdings nur eine untergeordnete Rolle. Lediglich 14 Prozent der interessierten Wohneigentümer wählt bisher seinen (regionalen) Versorger als entsprechenden Informations- und Beratungsort. Zugleich bleibe die Beratung meist ohne positive Wirkung auf die Investitionsentscheidungen der Eigentümer (Investitionsquote) oder reduziert diese sogar.

Vor diesem Hintergrund wurde für den Kundenmonitor auch die Qualität der Informationsangebote und der Beratung von 165 kommunalen und privaten Energieversorgern zur umweltschonenden Energieversorgung getestet. Von 165 getesteten Energieversorgern erzielen lediglich sieben die Gesamtnote „sehr gut“: Belkaw Bergisch Gladbach, BS Energy Braunschweig, Energieversorgung Halle, Stadtwerke Bonn, Stadtwerke Herne, Stadtwerke Radevormwald und Stawag Aachen. Große überregionale Energiekonzerne wie EON, EWE oder Vattenfall erreichen immerhin die Gesamtnote „gut“. 70 Prozent der untersuchten Versorger schneiden hingegen nur mäßig oder schlecht ab: 44 mit „mangelhaft“, 40 mit „ausreichend“ und 31 mit „befriedigend“.

„Energieversorger und Hersteller können in diesem beratungsaffinen Markt ihr Leistungsangebot um Planungsberatung, Finanzierungsvermittlung und kontinuierliche Wartungsservices erweitern“ sagt Dr. Oliver Gaedeke,Geschäftsführer beim Beratungsinstitut Sirius Campus. „Im Kontext der Klimawende stärken sie damit auch ihre Markenpositionierung und langfristige Kundenbindung.“

In der Marktuntersuchung wurden im Frühjahr 2020 rund 2.000 Wohneigentümer, Vermieter und Mieter repräsentativ zum Energiesparen und zur energetischen Sanierung befragt. Zudem wurde die Qualität der Informationsangebote und der Beratung von 165 kommunalen und privaten Energieversorgern zur umweltschonenden Energieversorgung getestet. (pq)

www.siriuscampus.de

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