Blockchain-Dienste für das Smart Meter Gateway

15.06.2020 – Über das Smart Meter Gateway Conexa 3.0 werden innovative Blockchain-Anwendungen an jeder Anschlussstelle verfügbar. Versorger können davon in vieler Hinsicht profitieren.

Die Blockchain verzeichnet inzwischen auch in der Energiewirtschaft wachsendes Interesse. Experten zufolge bietet die Technologie, mit der direkte, sichere Transaktionen jeder Art durchgeführt werden können, auch in diesem Bereich erhebliche wirtschaftliche und prozessuale Vorteile. Bekannte Anwendungsfälle sind beispielsweise der Peer-to-Peer-Handel mit regenerativ erzeugtem Strom. Doch nach Einschätzung von Michael und Martin Stoussavljewitsch, Gründer des Start-ups YOUKI aus Regensburg, kann die Blockchain noch wesentlich mehr: Auf der diesjährigen E-world stellten sie ihren Blockchain-basierten Mehrwertdienst unter dem Namen likwid vor.

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Die Blockchain-Plattform wurde speziell für den Einsatz in einer Infrastruktur aus Smart Meter Gateways entwickelt. (Foto: Theben AG, freepik)

Der vorgestellte Dienst bindet unterschiedliche regenerative Erzeugungsanlagen in ein Blockchain-Netzwerk ein und macht sie für Investoren verfügbar. „Jeder, der einen Euro einzahlt, bekommt ein Wertpapier (der Fachbegriff lautet digital verbriefter Genussschein), das aktuell mit 3,8 Prozent verzinst wird“, berichtet Michael Stoussavljewitsch. Die Rendite dieser sogenannten Impact Investments wird täglich gutgeschrieben. Das Papier, das übrigens durch die Finanzaufsichtsbehörde BaFin reguliert ist, kann jederzeit verkauft oder übertragen werden. Auch für Anlagenbetreiber ist die Ausgabe entsprechender Beteiligungen kostenfrei. Aktuell dominieren große, institutionelle Anleger diesen Markt, umgekehrt haben auch die Betreiber kleiner Anlagen heute noch kaum Zugang zu Investoren.

Dieser Mehrwertdienst ist die erste von vielen denkbaren Anwendungen der neuartigen „Blockchain-as-a-Service“-Plattform, die YOUKI jetzt auch für die Energiewirtschaft verfügbar macht.

Smart Meter Gateways als sichere Knoten

Eine Besonderheit der Lösung ist, dass sie auf der Infrastruktur der intelligenten Messsysteme aufsetzt. „Die Smart Meter Gateways bieten eine unvergleichliche Sicherheit in der Datenkommunikation und werden über kurz oder lang flächendeckend verfügbar sein“, erläutert Stoussavljewitsch. „Damit stellen sie die perfekte Hardware für ein beliebig skalierbares, dezentrales Blockchain-Knotennetzwerk dar, das auch hinsichtlich der Datenübertragung höchste Sicherheitsstandards erfüllt.“

Dashboard YOUKI GmbH
Über ein Dashboard hat der Nutzer der Blockchain-Anwendung – hier das Investment-Tool likwid – seine Aktivitäten jederzeit im Blick. (Foto: YOUKI GmbH)

Vor diesem Hintergrund entwickelten die Brüder Stoussavljewitsch und ihr Team ihre Blockchain sofort auf der Hardware der Smart Meter Gateways. Angepasst für das Mehrwertmodul der Theben Conexa 3.0, kann sie durch den Messstellenbetreiber ohne zusätzlichen Aufwand prinzipiell für jeden Anschlusskunden bereitgestellt werden. „Genau für solche innovativen Lösungen ist unser Mehrwert-Modul gedacht“, freut sich Ruwen Konzelmann, Head of Business Unit Smart Energy bei Theben. „Wir sind überzeugt, dass die Digitalisierung der Energiewirtschaft nur dann wirklich in Gang kommt, wenn es einen niedrigschwelligen Zugang zu den unterschiedlichsten Anwendungen gibt.“

Smart Contracts für flexible Produkte

Was das in diesem Fall konkret bedeutet, wird klar, wenn man die Software der YOUKI-Plattform genauer betrachtet. „Konventionelle Blockchain-Verfahren sind nicht optimiert für komplexere Prozesse, wie wir sie zum Beispiel in der Energiewirtschaft vorfinden“, erläutert der Geschäftsführer. Das hätte dazu geführt, dass sich die Technologie hier bislang noch nicht durchsetzen konnte. Mit einem neuartigen Softwareansatz will das Start-up aus Regensburg dieses Defizit ausgleichen.

Impact Investment YOUKI GmbH
Impact Investments, Energievermarktung oder Bürgerbeteiligungen können über die Blockchain-Plattform direkt abgewickelt werden. (Foto: YOUKI GmbH, pixelio(sprisi))

Im Kern dieses Konzepts stehen sogenannte Smart Contracts, mit denen sich auch komplexere Blockchain-Transaktionen abbilden und automatisieren lassen. Zur Erläuterung nennt Michael Stoussavljewitsch das Beispiel einer Fussballwette: Fünf Personen zahlen ein und geben ihren Tipp ab. Der Spieler mit dem besten Tipp erhält den Einsatz. „Bevor die eigentlichen Blockchain-Transaktionen erfolgen können, sind diverse Überprüfungen, Entscheidungen und Rechenoperationen erforderlich. Das leisten unsere Smart Contracts“, führt er aus.

Blockchain-basierte Geschäftsmodelle

Für Versorger und Stadtwerke ergeben sich daraus zahlreiche attraktive Ansätze – die naheliegendsten finden sich im Umfeld der Erneuerbaren Erzeuger. So können Versorger über die Smart Contracts nach dem Vorbild von likwid natürlich Impact Investments in eigene Solar-, Wind- oder Biomassekraftwerke oder Kundenanlagen zu sehr attraktiven Konditionen ermöglichen. „Dieses Konzept wird für die Versorger spätestens dann interessant, wenn die Erzeuger zunehmend aus der EEG-Förderung fallen“, vermutet Stoussavljewitsch. Auch dezentrale Energiehandelsplattformen oder regionale Lieferverträge ließen sich problemlos realisieren.

Für den Ausbau der Erneuerbaren im Versorgungsgebiet bietet die YOUKI-Plattform die Möglichkeit, Bürgerbeteiligungen zur Finanzierung automatisiert zu organisieren. „Das funktioniert nach dem Prinzip des Crowdfounding über ein Nachrang-Darlehen mit Rendite“, erläutert der YOUKI-Geschäftsführer. Die Stadtwerke München bieten mit den „Sonnenbausteinen“ aktuell ein entsprechendes Produkt zur Erschließung ungenutzter Solarflächen im Stadtgebiet. „Zahlt man die Rendite zum Beispiel nicht in Euro sondern in Kilowattstunden oder ÖPNV-Tickets aus, wird daraus ein im doppelten Sinne nachhaltiges Kundenbindungsprogramm“, erläutert Stoussavljewitsch.

Die konkreten Inhalte und Bedingungen der Smart Contracts könnten über die YOUKI-Plattform sehr einfach konfiguriert werden, danach erfolgt die Ausführung über die Blockchain automatisch. „Der Plattform und der Blockchain ist es übrigens völlig egal, welche ‚Werte‘ in den Transaktionen übertragen werden“, so Stoussavljewitsch. „Der Fantasie sind hier praktisch keine Grenzen gesetzt.“

Die Blockchain-Plattform wurde in Testnetzen der N-ERGIE und der REWAG auf Herz und Nieren getestet und steht ab sofort für Versorger zur Verfügung, auch das Kundenportal – konzipiert als White-Label-Lösung für Versorger und Stadtwerke – ist nach Angaben von YOUKI einsatzbereit. „Wir sind begeistert, dass wir in der Kooperation mit YOUKI unsere Gateways nun sogar ‚Blockchain ready‘ anbieten können“, sagt Ruwen Konzelmann, der sich aus dieser neuen Erweiterung spannende Impulse für die Digitalisierung der Versorgungsprozesse und neue Perspektiven für Erneuerbare-Erzeuger verspricht. (pq)

Theben AG
Stephanie van der Velden
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www.theben.de

YOUKI GmbH
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