Messdaten – Fundament der Smart City

16.06.2020 – Strom-, Gas- oder Wasserzähler waren bislang praktisch die einzigen Quellen, aus den Versorger und Stadtwerke Messdaten bezogen. Das ändert sich aktuell, denn mit zunehmender Digitalisierung und Verbreitung von IoT-Technologien im Versorgungsumfeld reden wir künftig über eine Vielzahl gemessener Daten aus den unterschiedlichsten Sensoren. Versorger stehen künftig vor der Herausforderung, diese Daten zu verarbeiten, zu verteilen oder auch abzurechnen.

Auswirkungen auf die Systemlandschaft

Das hat Auswirkungen auf die beteiligten Systeme: Bislang war das Messdatenmanagement (MDM) in peripheren Systemen wie dem Energiedatenmanagement oder neuerdings auch der Gateway Administration angesiedelt.

Eine tiefe Integration in die operativen ERP- und Abrechnungslösungen fehlte in der Regel. „Spätestens mit dem Start der MaKo2020 war dieser Ansatz eigentlich obsolet. Denn durch die prozessuale Entflechtung wurde auch das Datenmanagement immer komplexer. Dazu kommen neue Herausforderungen, beispielsweise bei der Entwicklung von Diensten für die künftigen Smart Cities. Das hat uns dazu gebracht, das Thema MDM grundsätzlich zu überdenken“, erklärt Peter Schulte-Rentrop, Vertriebsleiter Versorgungswirtschaft bei der Wilken Software Group. Die tiefe Integration in die operativen Systeme ist für ihn dabei ein ganz wesentlicher Faktor: „Neben Strom, Gas, Wasser oder Wärme im Sinne von Fernwärme spielen eine ganze Reihe von weiteren Messdaten künftig eine wichtige Rolle, wenn es um die Umsetzung von neuen Geschäftsmodellen geht. Dabei ist es kontraproduktiv – wie heute üblich – mit Dutzenden von ‚Software-Rucksäcken‘ zu arbeiten.“

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Daten aus unterschiedlichen Sensoren können eine neue, ganzheitliche Sicht unterstützen.Bild: tostphoto/Shutterstock.com

Beispiel: Heiz- und Nebenkostenabrechnung

Ein gutes Beispiel ist für ihn die Heiz- und Nebenkostenabrechnung: Die derzeitigen Platzhirsche in diesem Feld liefern einmal jährlich eine Abrechnung, die meist intransparent und für den Kunden wenig nachvollziehbar ist. Über eine direkt an das Messdatenmanagement angebundene Heiz- und Nebenkostenabrechnung ist es dagegen nicht nur möglich, auch diese Daten zentral zu sammeln, zu verarbeiten und abzurechnen. Damit lassen sich vielmehr alle energetischen Daten miteinander in Beziehung setzen. „Auf diese Weise erhält der Kunde ein umfassendes Gesamtbild seines Energieverbrauchs und es können ihm auf dieser Basis energetische Maßnahmen empfohlen werden, über die er sein Verbrauchsverhalten insgesamt optimieren kann“, erläutert Peter Schulte-Rentrop.
Damit lassen sich nicht nur entsprechende Dienstleistungen für die ortsansässige Wohnungswirtschaft umsetzen. Gerade auch für den Bereich der kommunalen Liegenschaftsverwaltung könnten Stadtwerke hier neue Angebote aufbauen.

Neue Sensorik

Ein weiteres Feld ist das der neuen Sensorik, die über das LoRaWAN oder IoT-Plattformen ihre Werte in das Messdatenmanagement einspeisen. Denn darüber lassen sich beliebige zusätzliche Datendienstleistungen aufsetzen. Ein ganz profanes Beispiel ist die Freihaltung von Rettungswegen, die sich über die Integration von entsprechend angebrachten Sensoren realisieren lässt. Weitere einfache Datendienstleistungen können aber beispielsweise auch die Überwachung von Pegelständen in Regenüberlaufbecken oder im Abwasserbereich sein. Aber auch Problematiken, wie sie die Ladesäulen im öffentlichen Parkraum mit sich bringen, können darüber gelöst werden. Denn der Parkplatz an der Ladesäule sollte nicht länger als nötig besetzt sein. „Über die Zusammenführung der Daten aus der Säule und der Parksensoren davor könnte dem E-Autofahrer signalisiert werden, dass er umparken sollte, wenn das Auto geladen ist. Sonst könnte beispielsweise eine deutlich höhere Parkgebühr fällig werden. Gleichzeitig wäre es möglich, ihm via App den Weg zum nächstgelegenen freien Parkplatz zu weisen“, beschreibt Peter Schulte-Rentrop mögliche Anwendungen.

LoRaWan Gateway HoernCampus Kiel
Über LoRaWAN-Gateways werden künftig zusätzliche Datenquellen erschlossen. (Bild: Fabian Horst; https://commons.wikimedia.org/wiki/File:2018-08-31_-_LoRaWan_Gateway_HoernCampus_Kiel.jpg

Mit Zusammenführung aller Messwerte in einem zentralen Messdatenmanagement entstehen auch ganz neue Cross-Selling-Potenziale, ist der Vertriebsleiter überzeugt. So könne man die unterschiedlichen Informationen nutzen, um dem Kunden auf Basis seiner Gewohnheiten sehr individuelle Angebote zu machen – gerade vor dem Hintergrund, dass viele Stadtwerke ja auch auf weiteren Feldern aktiv sind, so etwa beim Bäder- und Parkhausbetrieb oder im ÖPNV. So könnte energieeffizientes Verhalten mit einer Freifahrkarte für den ÖPNV belohnt werden, oder ein treuer Stromkunde erhält nach fünf Jahren eine entsprechende Anzahl an freien Ein- und Ausfahrten in das Parkhaus. „Wenn alle diese Daten in einem zentralen Datenmanagement verfügbar wären, sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt“, so Peter Schulte-Rentrop. Wichtig sei es dabei, dass das zentrale Messdatenmanagement in der Lage ist, alle eingehenden Daten automatisiert zu validieren, zu verarbeiten und den weiterführenden Systemen, von der Abrechnung bis hin zu App-basierten Diensten, zur Verfügung zu stellen. Dann unterstütze das zentrale Messdatenmanagement am Ende eine 360°-Sicht auf jeden Kunden.

In einem weiteren Schritt lassen sich dann auch diejenigen Datenquellen einbinden, die im Rahmen der Entwicklung zur Smart City für die unterschiedlichsten Zwecke eingerichtet werden. Schulte-Rentrop: „So wird das Messdatenmanagement zu einem zentralen Element bei der Transformation des Stadtwerks zum Digital-Versorger.“ (pq)

Wilken GmbH
Peter Schulte-Rentrop
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www.wilken.de