SAP (Cloud) for Utilities: Launch für Ende 2020 geplant

23.04.2020 – Der Spagat zwischen der alten Welt des klassischen Versorgungsgeschäftes und der neuen Welt digital getriebener Produkte und Services ist für viele Energieversorger eine tägliche Herausforderung. SAP for Utilities und SAP Cloud for Utilities soll die Geschäftsprozesse beider Welten unterstützen. Die Energiewende, sinkende Preise an den Strommärkten sowie veränderte Kundenanforderungen veranlassen viele Versorger, sich nach neuen Erlösquellen und Geschäftsmodellen umzuschauen.

Dennoch: Eine Abkehr vom Kerngeschäft – der Erzeugung von Energie und den unmittelbar damit verbundenen Dienstleistungen wie Ablesung und Abrechnung – kommt für die meisten Unternehmen nicht in Frage. „Die Bereitstellung von Energie bleibt der Ankerpunkt für die Versorgungswirtschaft“, sagt Stefan Engelhardt, Vice President Industry Business Unit Uilities bei SAP. „Es handelt sich um das Commodity-Geschäft, in dem die Unternehmen über ein enormes Know-how verfügen, das nicht so einfach zu ersetzen ist.“

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Das neue SAP Data Center, WDF 51, in Walldorf. Foto: SAP SE

Um in diesem Bestandsgeschäft angesichts begrenzter Margen dennoch profitabel zu sein, setzten viele Energieversorger auf die Standardisierung und Automatisierung einer Vielzahl an Prozessen. Die Art und Weise wie ein Unternehmen Marktkommunikation betreibe, eine Bezugsabrechnung erstelle oder eine Ablesung einhole, sei im Grunde bei jedem Energieversorger ähnlich. „Mithilfe intelligenter Technik wie Machine Learning lassen sich diese Prozesse weitgehend automatisieren und damit deutlich effizienter gestalten“, ergänzt Engelhardt. Man führe sich beispielhaft den Abrechnungsprozess vor Augen: Bei einer Million Kunden mit zwei Prozent fehlerhafter Abrechnungen entstehe ein enormer manueller Aufwand. „Durch Automatisierung können Firmen solche Aufwände minimieren und so die Total Cost of Ownership entscheidend senken. Dadurch werden wiederum Kapazitäten für die Entwicklung von Innovationen frei“.

Innovationen, die für die Identifikation und den Aufbau neuer Geschäftsfelder als Antwort auf den gravierenden Wandel dringend erforderlich sind. „Unternehmen, die neue Wege gehen und die Chancen der Digitalisierung nutzen, um die neuen Marktanforderungen zu erfüllen, haben gute Aussichten zu wachsen und ihren Umsatz zu steigern“, erläutert Engelhardt. Das Ziel: Kundenwünsche frühzeitig erkennen und möglichst individuell bedienen.

„Heute konfektionieren einige Energieanbieter Verträge bereit bis zur Losgröße 1 hinunter“, erläutert Engelhardt. „Das bedeutet nichts anderes, als dass direkte Nachbarn in derselben Straße am selben Wohnort unterschiedliche Angebote erhalten können.“ Andere Anbieter verknüpfen Stromtarife mit Produktangeboten oder Mehrwertdiensten und werden so zum Multi-Service-Provider. Engelhardt: „Für neue Geschäftsmodelle wie diese brauchen Sie eine ganz andere Flexibilität und Agilität.“

SAP Cloud for Utilities

Mit der neuen SAP Cloud for Utilities will SAP nun die Eigenschaften einer stabilen, über zwei Jahrzehnte gereiften Lösung für das Bestandsgeschäftes mit der Agilität und Flexibilität einer modernen Cloud-Suite zu kombinieren. SAP Cloud for Utilities soll insbesondere die Multi-Service-Kapazitäten der Versorgungsunternehmen unterstützen. Entsprechend adressiert die Lösung die funktionalen Schwerpunkte einfache und schnelle Definition, Einführung, Vermarktung und Verkauf von Energie- und Nicht-¬Energieprodukten. Der Launch der ersten ganzheitlichen Version von SAP Cloud for Utilities ist für Ende 2020 geplant. Sie wird für die energiebezogenen Prozesse auf bestehende SAP for Utilities Komponenten als Software-as-a-Service aufbauen, die sich modular um zusätzliche Cloud-Services ergänzen lassen, wie zum Beispiel Marktkommunikation, eCommerce oder subskriptionsbasierte Abrechnungen.

Ende 2021 soll SAP Cloud for Utilities auch komplett als native End-to-End Cloud Lösung verfügbar sein. Dann lassen sich auch die Kernprozesse der Energiewirtschaft – von der Abrechnung über das Messdaten-Management bis zum Vertragskontokorrent – alternativ zu SAP for Utilities in einer schlanken Public Cloud Lösung nutzen. Kunden, die ihre bestehende On-premises-Lösung einsetzen wollen, steht dies auch weiterhin offen. „SAP wird auch künftig in SAP for Utilities investieren und die Lösung kontinuierlich weiterentwickeln“, versichert Engelhardt.

Für welche Variante sich ein Kunde entscheidet, hinge von den eigenen Prioritäten ab: „Welche Geschäftsfelder sind aktuell relevant? In welchem Bereich findet die Hauptgeschäftsaktivität statt? Unternehmen, die mit der On-premises-Lösung arbeiten und sich erste neue Geschäftsfelder erschließen, investieren womöglich zunächst besser strategisch in SAP Cloud for Utilities und ziehen das Commodity-Geschäft bei Bedarf nach.“ Vor jeder Investitionsentscheidung sollte beim Kunden auf jeden Fall eine Bestandsanalyse stehen, empfiehlt Engelhardt. SAP hat dafür eigens Services und Modelle entwickelt, wie etwa einen Transformationsleitfaden, der basierend auf einem Fragenkatalog eine erste Orientierung für die strategische Ausrichtung der Unternehmen-IT bietet.

Nachhaltige Klimaziele mit der Cloud erreichen

Perspektivisch spielt SAP Cloud for Utilities aus Sicht der SAP übrigens eine weit umfassendere Rolle als die einer reinen Unternehmenslösung. „Wir verstehen die neue Lösung als digitales Rückgrat der Climate Economy“, sagt Engelhardt. „Nachhaltige Klimaziele lassen sich nur mithilfe neuer Dienstleistungen für einen effizienteren Energieeinsatz erreichen.“ Wenn die Energieversorger Energie nicht nur als Commodity verkauften, sondern mit Dienstleistungen, Mobilitätskonzepten, Managementsystemen für Haushalte und so weiter verknüpften, würden sich enorme Chancen damit verbinden. „Wir sehen aus diesem Grund die Energieversorger im ‚Driver Seat‘ der Climate Economy.“ (pq)

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