Trendsetter e-Alois?

01.04.2020 – Autos in einem Pool zu teilen und nur zu nutzen, wenn man sie wirklich benötigt, hat bekanntermaßen viele Vorteile: Car-Sharing ist für die Nutzer vielfach günstiger und praktischer als ein eigener Pkw und hilft zudem, Verkehrs- und Umweltbelastungen zu reduzieren. Dass sich mit dem neuen Mobilitätskonzept auch neue Geschäftsmodelle für Stadtwerke erschließen lassen, zeigt das Beispiel der Ammer-Loisach Energie GmbH – ein Zusammenschluss von zehn Gemeinden und der Energie Südbayern in der Region der Ammergauer Alpen.

Im Interesse einer möglichst nachhaltigen Mobilität in der beliebten Tourismusregion hatte die Ammer-Loisach Energie bereits 2013 das Carsharing-Projekt „Alois“ für Gäste und Anwohner ins Leben gerufen, das derzeit rund 3.500 Kunden nutzen. Ende 2019 kam „e-Alois“ hinzu – aktuell zehn Elektroautos vom Typ BMW i3 und VW e-Golf, die bei lokalen Autohändlern geleast und an den Ladesäulen der Ammer-Loisach Energie ausschließlich mit Strom aus regenerativen Quellen betankt werden. „Mit e-ALOIS erweitern wir unser Leistungsspektrum und sind mit unseren Partnern Vorreiter für individuelle, CO2-freie Mobilität in unserer Heimat“, freute sich Arno Nunn, Geschäftsführer der Ammer-Loisach Energie beim Projektstart. „Das passt gut ins Konzept ei-nes regionalen Energieversorgers, der konsequent auf Nachhaltigkeit setzt.“

Carsharing Projekt e-Alois
Das neue E-Carsharing-Projekt heißt “e-Alois”. Foto: Ammer-Loisach Energie GmbH/Simon Bauer Grafik: Digital Mobility Solutions GmbH

Den „smarten“ Beitrag zum Projekt „e-Alois“ liefert MOQO, eine Plattform für Shared Mobility. Um das Carsharing nutzen zu können, lädt der Fahrer die MOQO-App herunter und meldet sich an. Beim Anmeldevorgang wird automatisch der Führerschein überprüft und eine Rückmeldung zum Fahrzeugzustand abgefragt. Einmal angemeldet, können die Kunden sehen, wo welche Fahrzeuge verfügbar sind, diese buchen oder reservieren. Per App kann man dann schlüssellos einsteigen und losfahren. Für Gäste der Region Ammergauer Alpen geht das auch über die All-inklusive Gästekarte KönigsCard, die als „Schlüssel“ für die Fahrzeuge dient und drei Stunden kostenfreies E-Carsharing ermöglicht.

Grundsätzlich ist für das Laden und Bezahlen im Auto eine Ladekarte mit Roaming-Funktion hinterlegt, mit der der Kunde bei Bedarf auch Ladestationen anderer Anbieter nutzen kann. Zudem zeigt die MOQO-App den aktuellen Ladestand der Batterien, die Reichweite sowie die nächste verfügbare Ladesäule. Im Bedarfsfall steht zudem eine telefonische Service-Hotline für Rückfragen der Nutzer bereit. Für den Sharing-Anbieter stellt die MOQO-Plattform ein Betreiberinterface bereit, über das er seine Fahrzeuge verwalten, Tarife und Nutzergruppen festlegen kann und vieles andere mehr. Auch Fahrräder, E-Scooter, Elektro-Roller oder konventionelle Pkw können über die Plattform verwaltet werden.

E-Carsharing für Stadtwerke

Entwickelt wurde MOQO von der Digital Mobility Solutions GmbH aus Aachen, einem Unternehmen mit rund 30 Mitarbeitern, das sich seit gut zehn Jahren mit Shared-Mobility-Lösungen beschäftigt. Geschäftsführer Michael Minis ist überzeugt, dass Sharing-Angebote speziell auch für die Energiewirtschaft interessante Ansatzpunkte bieten. Inzwischen hätten sich Stadtwerke und Versorger sogar zu der am stärksten wachsenden Kundengruppe seines Unternehmens entwickelt.

Plattform Shared Mobility MOQO
Über die Plattform lassen sich unterschiedliche Sharing-Lösungen umsetzen, die Grundlage für eigenständige Geschäftsmodelle sein können: Offenes Sharing für alle Einwohner oder Besucher, exklusives Sharing für definierte Kundengruppen und geschlossenes Sharing für den eigenen Fuhrpark. (Grafiken: Digital Mobility Solutions GmbH)

Wichtiger Treiber dieses Trends ist nach seiner Einschätzung die Elektromobilität. „Viele Stadtwerke sehen sich in der Verantwortung, die Elektromobilität in ihrem Netzgebiet voranzubringen – im Interesse des Klimaschutzes und als Service für die Bürger“, erläutert Minis. Dabei stelle sich häufig die Frage nach sinnvollen Maßnahmen, die über die Einrichtung von Ladepunkten und die Anschaffung eigener Elektrofahrzeuge hinausgehen.

„Elektrofahrzeuge im Sharing setzen nicht nur ein sehr deutlich sichtbares Signal, dass der Versorger sich für eine klimaschonende Mobilität engagiert, sie bieten dem Kunden auch die Chance, Elektromobilität kennenzulernen und zu testen“, so der Geschäftsführer weiter. Sharing-Stationen für E-Fahrzeuge direkt an den Ladesäulen erhöhten zudem die Wahrnehmung und Auslastung der Säulen. Last but not least lassen sich aus dem E-Carsharing Erlöse erzielen und attraktive Kundenbindungsmaßnahmen ableiten.

Differenzierte Sharing-Modelle

„Auch bei gewerblichen Kunden, wie der Wohnungswirtschaft, Hotels oder ortsansässigen Unternehmen würden entsprechende Shared Mobility-Angebote des örtlichen Versorgers möglicherweise gut ankommen“, vermutet Michael Minis. MOQO unterstützt solche Angebote mit Funktionalitäten für ein sogenanntes „exklusives Sharing“, mit denen der Anbieter seine Fahrzeuge für festgelegte Nutzergruppen zur Verfügung stellen kann.

Ein weiterer Anwendungsfall für die Plattform ist die Verwaltung der eigenen Elektroflotten, die Stadtwerke und Kommunen jetzt zunehmend aufbauen. Für dieses geschlossene Sharing bietet MOQO ebenfalls Tools, die es ermöglichen, die vorhandenen Fahrzeuge automatisiert für berechtigte Mitarbeiter zu disponieren, die Nutzung zu dokumentieren und intern abzurechnen. „Die Effizienz der Prozesse und Auslastung der Fahrzeuge steigt dadurch erheblich“, weiß Michael Minis und verweist auf Referenzen wie die eins energie in Sachsen und den Aufzughersteller Kone, die ihre Flotten über die Plattform steuern.

Einfach und transparent

Die Implementierung des Sharing-Angebots beim Kunden dauert rund vier Wochen, wie der Geschäftsführer berichtet. „Im ersten Schritt statten wir die Fahrzeuge mit einer Telematik-Einheit aus“, erklärt Michael Minis. Gleichzeitig wird die Plattform für den jeweiligen Betreiber eingerichtet und eine individualisierte App für dessen Kunden konfiguriert. Da Digital Mobility Solutions im gesamten Prozess lediglich als Auftragsdatenverarbeiter auftritt, verbleiben sämtliche Nutzerdaten ausschließlich beim eigentlichen Anbieter – ein Aspekt, der Sharing-Angebote des örtlichen Stadtwerks möglicherweise für Kunden zusätzlich attraktiv macht.

Die Gesamtlösung umfasst zusätzlich eine Kunden-Hotline, daher werden im Vorfeld der Live-Schaltung die Service-Mitarbeiter auf den konkreten Anwendungsfall geschult. „So können unsere Kollegen den Sharing-Kunden der Ammer-Loisach Energie beispielsweise auch die Verwendung der KönigsCard in diesem Zusammenhang erläutern“, sagt Michael Minis. Der Sharing-Anbieter, der MOQO nutzt, bezahlt einen festen Satz pro Fahrzeug. (pq)

Kontakt

Digital Mobility Solutions GmbH
Dr. Michael Minis
michael.minis@moqo.de
www.moqo.de