Theben und Hausheld: Partnerschaft für den flächendeckenden Smart Meter-Rollout

30.09.2019 – Als Partner wollen Theben und Hausheld gemeinsam den flächendeckenden Rollout intelligenter Messsysteme voranbringen.

Eine hohe Motivation und eine gute Portion Ausdauer muss wohl jeder Anbieter mitbringen, dessen Geschäftsmodell am Rollout der intelligenten Messsysteme hängt. Ruwen Konzelmann, Bereichsleiter Smart Energy beim Gateway-Hersteller Theben, und Bouke Stoffelsma, Vorstand des Dienstleistungsunternehmens Hausheld, verbindet zudem die Neigung, sich sehr anspruchsvolle Ziele zu stecken und vermeintlich unverrückbare Grenzen auf dem Weg dorthin nicht unbedingt zu akzeptieren.

Konsequente Digitalisierung

„Wir haben unsere Technologie von Beginn an so ausgelegt, dass sie deutlich mehr kann als heute vorgeschrieben ist, obwohl das erheblich mehr Arbeit gemacht hat“, sagt Ruwen Konzelmann. Das sei keineswegs für jeden nachvollziehbar, aber die Voraussetzung dafür, dass die Stadtwerke die Potenziale der Digitalisierung tatsächlich nutzen können. Auch für Bouke Stoffelsma sind leistungsfähige intelligente Messsysteme der Schlüssel zu neuen Geschäftsprozessen und einer nachhaltigen Organisation der Netze. „Dementsprechend muss man sie konsequenterweise möglichst schnell flächendeckend einführen – ohne Umweg über die moderne Messeinrichtung, die den Stadtwerken und den Kunden tatsächlich keinen wirklichen Mehrwert bieten.“ Wer darauf verzichte und sich lieber auf ein paar Pflichteinbaufälle beschränke, überlasse das Feld dem Wettbewerb.

Für ihn bestand kein Zweifel daran, dass das auch innerhalb der vorgeschriebenen Preisobergrenzen machbar ist. Und in der Tat belegen die Zahlen aus europäischen Nachbarländern, die den Rollout als Massenprozess umsetzen, dass diese Strategie deutlich wirtschaftlicher ist als die in Deutschland geplante stufenweise Umstellung. „An diesem Punkt kommt in Gesprächen typischerweise der Verweis auf die hohen Anforderungen des BSI-Schutzprofils, der TR 03109 und des Eichrechts, die doch alles so teuer machen“, sagt Bouke Stoffelsma. Manch einer vermute in diesem Feld Einsparpotenziale.

Nicht an der Sicherheit sparen

Doch hier Kompromisse einzugehen, halten beide Partner für absolut nicht zielführend: „Der hochsichere Kommunikationskanal zum Kunden ist für die Stadtwerke ein absolutes Alleinstellungsmerkmal bei der Entwicklung digitaler Dienstleistungen“, sagt Ruwen Konzelmann und Bouke Stoffelsma ergänzt: „Lösungen, die den rechtlichen Anforderungen nicht genügen, können möglicherweise noch nicht einmal Bestandsschutz beanspruchen.“

Hausheld bietet Stadtwerken seit dem vergangenen Jahr einen gesetzeskonformen Rollout im gesamten Versorgungsgebiet an: „Wir übernehmen Investition, Beschaffung, Montage und Betrieb der intelligenten Messsysteme. Der Messstellenbetreiber bezahlt nur für die Messdaten“, erläutert Geschäftsführer Stoffelsma das Angebot. In Saarlouis will das Unternehmen den Beweis antreten: Erstmals in Deutschland erhalten dort alle Anschlusskunden des örtlichen Stadtwerks ein intelligentes Messsystem.

Raus aus dem Keller

Das Umsetzungskonzept ist auf Skalen­effekte, Standardisierung und maximale Effizienz ausgelegt. Hausheld nutzte dafür seine 25-jährige Erfahrung aus der Prozess­- automatisierung, der Entwicklung von Softwarearchitekturen und hochsicheren Bezahlsystemen. Auch die Stadtwerke Saarlouis waren über viele Jahren an der Konzeptentwicklung beteiligt. „Bei der Analyse der Prozesse ergab sich die Montage und Inbetriebnahme der intelligenten Messsysteme als ganz wesentliche Stellschraube für die Wirtschaftlichkeit“, berichtet Stoffelsma. Üblicherweise werden die Gateways sukzessive in den Kellern der Anschlussnehmer verbaut, dort an einige wenige Zähler angeschlossen und funktional in Betrieb genommen. „Das erfordert teilweise wiederholte Absprachen mit den Kunden, die Routen können nicht optimal geplant werden und es gibt viele mögliche technische Fehlerquellen – zum Beispiel, wenn die Kommunikationsanbindung nicht funktioniert oder die unterschiedlichen Systeme nicht wie geplant reagieren“, sagt der Hausheld-Vorstand.

Ein erster wichtiger Schritt bestand also darin, die Gateways aus den Kellern zu holen. Bei Hausheld finden sie ihren Platz in den Ortsnetzstationen – ein Ansatz, der offenkundig Vorteile aufweist: Montage und Wartung lassen sich auf diese Weise sehr wirtschaftlich organisieren, zudem sind die Kernkomponenten des intelligenten Messsystems dort vor Schäden und unbefugtem Zugriff sogar besser geschützt als in privaten Kellerräumen. Auch Probleme mit der Mobilfunkanbindung sind in den Ortsnetzstationen deutlich weniger wahrscheinlich als in den Kellern der Kunden.

Das Gateway, eine Conexa 3.0 von Theben in einer für diesen Anwendungsfall optimierten Ausprägung, liest von der Ortsnetzstation aus sämtliche Zähler im Umkreis aus. Dadurch reduzieren sich die Anzahl der benötigten Geräte und die mit der Montage und Installation verbundenen Prozesse erheblich. Die Zähler übertragen die Verbrauchsdaten verschlüsselt per Funk über Mesh-Netze, die Kommunikation mit dem Gateway erfolgt über die LMN-Schnittstelle. „Dieses Verfahren ist aufgrund optimierter Protokolle sehr effizient“, erläutert Bouke Stoffelsma. Hierzu gab es, wie er berichtet, verschiedene Abstimmungen mit dem BSI und der PTB. „Das Schutzprofil definiert Ziele und Verfahren – kein System“, so der Hausheld-Vorstand. Neben Verbrauch und Einspeisung messen die Zähler zudem die Netzqualität und stellen Daten beispielsweise zur Spannung oder Phasenverschiebung bereit.

Ein zentrales GWA-System in zertifizierten Rechenzentren kommuniziert mit dem Gateway und den berechtigten Marktteilnehmern. Der Endkunde kann seine Verbrauchsdaten jederzeit über TruDI oder eine von Hausheld entwickelte Lösung überprüfen.

Entwicklung als Gesamtsystem

Das System ist als Gesamtlösung konzipiert, die Entwicklung hat mehrere Jahre in Anspruch genommen, wie Bouke Stoffelsma berichtet. „Eine leistungsfähige Hardware, die die geplanten Prozesse zuverlässig unterstützt, war dabei natürlich ein Schlüsselfaktor.“ Die benötigten Funkzähler wurden in Kooperation mit Itron neu entwickelt, ein geeignetes Gateway fand sich bei Theben. „Nicht nur die Idee selbst hat uns fasziniert, auch die konkrete Umsetzung in den jeweiligen Systemen war extrem spannend und fruchtbar“, erinnert sich Ruwen Konzelmann. Er ist von dem Konzept überzeugt, denn auch ihn treibt der Wunsch, die Digitalisierung der Energiewirtschaft schnellstmöglich in die Fläche zu bringen. Dass das einzelne Stadtwerk auf diesem Weg wohl einige Gateways weniger benötigt als bei der konventionellen Vorgehensweise, stört den ansonsten sparsamen Schwaben nicht. Das, so Konzelmann, sei einfach eine andere Mathematik. (pq)

www.theben.de

www.hausheld.info

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