Netze BW: Schneller zur Innovation mit neuen Organisationsprozessen

07.11.2019 – Die Rolle der Versorger und Netzbetreiber hat sich gewandelt: An die Stelle des früheren sicheren Geschäfts ist ein dynamisches Marktumfeld getreten: „Prosumer“ erzeugen heute selbst die Energie, die sie vormals vom Versorger bezogen, Start-ups positionieren sich mit neuen digitalen Produkten und Services für den Energiemarkt. „Wer in diesem Umfeld überleben will, muss ein Höchstmaß an Effizienz und Innovation aufweisen“, weiß Michael Hudetzka, Manager Digitalisierung und Transformation bei der Netze BW. Große, etablierte Unternehmen müssten sich die Frage stellen, wie sie sich im immer komplexeren und dynamischeren Umfeld teilweise neu erfinden. Die Netze BW GmbH will dieser Herausforderung mit neuen Organisationsstrukturen und Arbeitsweisen begegnen, die die Kreativität und das Entrepreneurship ihrer Mitarbeiter fördern und das Entwicklungstempo erhöhen sollen. Die neue Plattform trägt den Namen MSB Campus und eröffnet eine Arbeitsfläche für Multiprojektmanagement innerhalb des Unternehmens. Im Fokus stehen Entwicklungen im Umfeld des Smart Metering: Als Messstellenbetreiber zielt Netze BW darauf ab, sowohl den eigenen Messstellenbetrieb effizienter zu gestalten als auch Raum für die Entwicklung innovativer Smart Meter-Anwendungen zu schaffen. Die Mitarbeiter, die hier an zukunftsträchtigen Lösungen tüfteln, kommen aus dem eigenen Haus und von der Muttergesellschaft EnBW AG.

Projektorientierte Organisation

Das Besondere am MSB Campus ist die Organisationsform, die bewusst schlank und beweglich gehalten ist: Unterschiedliche Projekte werden auf der Plattform mit gemeinsamen Ressourcen entwickelt und umgesetzt. „Die Stärke einer Multiprojektorganisation liegt darin, potenziell knappe IT-Ressourcen optimal zu nutzen, Synergieeffekte zu erschließen und damit Projekte schneller und effektiver umzusetzen“, erläutert Michael Hudetzka.

Die Impulse für die Innovationen, die im MSB Campus entwickelt und erprobt werden, kommen aus den Projekten. In jedem dieser Projekte beschäftigen sich durchschnittlich 20 Mitarbeiter mit unterschiedlichen Einzelthemen rund um die Smart Meter-Infrastruktur wie etwa „Gasanbindung“, „Smart City“ oder „Mehrwerte“. Die Projektteams entwickeln eigene Business Cases und testen sie weitmöglichst in der vorhandenen Infrastruktur, zu der neben intelligenten Messsystemen mit den entsprechenden Backends auch ein LoRaWAN- Netz gehört.

Der MSB Campus ist als Multiprojektorganisation aufgesetzt: Die Einzelprojekte greifen auf gemeinsame Ressourcen zu. Grafik: Netze BW

Ergibt sich auf Projektebene konkreter Bedarf für Software- Entwicklungen, also beispielsweise eine Endverbraucher- App oder eine Schnittstelle MSB-System, wird ein Backlog erzeugt – vereinfacht gesagt – ein „Auftrag“ an die IT-Experten des MSB Campus generiert. Diese sind in sogenannten Fertigungsinseln organisiert, fachlich gebündelten Arbeitsgruppen – das GWA-Team, CLS-Team oder MSB Backend-Team –, die an zentraler Stelle das Backlog bearbeiten. „Die Fertigungsinseln bilden damit die Klammer um verschiedene Umsetzungsteams und sind die eigentlichen Leistungserbringer“, so Hudetzka. Koordiniert wird deren Arbeit durch die Fertigungssteuerung: Dort greifen unterschiedliche Kompetenzen wie etwa Service Designer, Release- und Testmanager, IT-Architekten und Scrum-Master ineinander. Ihre Verantwortung liegt in der projektübergreifenden Steuerung des Backlogs sowie der daraus resultierenden Release- und Testplanung. „Die dafür erforderliche Priorisierung des Backlogs erfolgt in Abstimmung mit den jeweiligen Projektleitern“, erklärt Michael Hudetzka.

Insgesamt sind auf der Fertigungsebene rund 130 Mitarbeiter beschäftigt. Anders als in konventionellen Organisationsformen können die am Campus initiierten Projekte also nicht losgelöst voneinander arbeiten, da sie sich teilweise aus den gleichen Ressourcen bedienen und ein Wissensaustausch zwischen den Projekten unabdingbar ist. Genau das sei gewollt, wie Michael Hudetzka berichtet, denn genau dieser Aufbau des MSB Campus ermögliche es, Redundanzen in den unterschiedlichen Projekten zu vermeiden.

Teamverständnis und Kommunikation

Teamarbeit und kurze Kommunikationswege sind dementsprechend unabdingbar in der Multiprojektorganisation, wie der Netze BW-Manager weiter ausführt – und dafür wurde schon im Vorfeld einiges getan. In mehreren Einzelterminen und Workshops wurden die Projektmitarbeiter mit der neuen Organisationsform vertraut gemacht und erhielten die Möglichkeit, ein gemeinsames Selbstverständnis, eine gemeinsame Mission und Vision zu entwickeln, um so gleichsam die strategischen Leitplanken für den MSB Campus zu legen.

Zudem etablierte Netze BW verschiedene regelmäßige Austauschformate wie den wöchentlichen MSB weekly, das MSB Powerfrühstück oder den MSB Check. „Dabei pitchen die Mitarbeiter des Campus Themen, die sie interessieren und diskutieren möchten“, berichtet Michael Hudetzka. Eine zusätzlich eingerichtete MSB-Online-Campus-Plattform vervollständigt die Kommunikationskanäle im MSB Campus. Über die Plattform können Campus-Mitglieder etwa selbstgedrehte Videos als Information oder Tutorial hochladen, Beiträge schreiben, Fragen stellen und kommentieren. Ebenso werden dort notwendige Schulungsunterlagen aus den Fachbereichen hinterlegt. Auch die Räumlichkeiten am MSB Campus unterstützen durch weitläufige, offene und flexibel nutzbare Arbeitsflächen fokussierte Einzelarbeit ebenso wie kommunikative Teamarbeit.

Agile Projektarbeit

Die Projekte im MSB Campus sind nach agilen Strukturen aufgebaut – auch, um eine engere Zusammenarbeit mit den Auftraggebern zu fördern. Zudem lassen sich durch die kürzeren Umsetzungsphasen und regelmäßigen Rückblicke, den sogenannten Sprints und Retros, Fehler schneller erkennen und beheben. Um Marktfähigkeit und Kundennutzen zeitnah und unkompliziert zu testen, arbeitet man am MSB Campus zusätzlich mit dem sogenannte Rapid Prototyping, bei dem eine schnelle erste Visualisierung der Rohversion eines Produkts oder einer Dienstleistung verfügbar gemacht werden. Auch Arbeitsmethoden wie die Customer Journey zielen darauf ab, Produkte möglichst frühzeitig und umfassend aus Kundensicht zu betrachten und daraus entsprechende Optimierungspotenziale abzuleiten. Michael Hudetzka sieht den MSB Campus als zukunftsweisende Antwort auf die sich verändernden Marktbedingungen im Smart Meter-Umfeld. Er ist sich sicher: „Mit dem dargestellten Vorgehen des MSB Campus konnten die Rahmenbedingungen für einen effizienten und innovativen Messstellenbetrieb geschaffen werden.“ (vb)

www.netze-bw.de

Publikationen des 50,2 Verlages


Der Branchenleitfaden für Stadtwerke und Netzbetreiber
Die "gelben Seiten" der IT-Sicherheit



Der Branchenleitfaden für Stadtwerke und Netzbetreiber
Die "gelben Seiten" des Smart Metering-Marktes

Der Rollout-Leitfaden für die Praxis
Unterstützung bei der Einführung der Smart-Meter-Technologie.