Vorreiter bei erneuerbaren Energien: Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg

02.12.2019

In einer neuen Studie haben die Agentur für Erneuerbare Energien (AEE), das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW) und das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zum sechsten Mal die Bundesländer hinsichtlich ihres Ausbaus erneuerbarer Energien unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg führen den Bundesländervergleich an. Die Analyse bewertete die einzelnen Länder auf Basis von 61 Indikatoren. Basierend auf diesen Einzelindikatoren bildeten AEE, ZSW und DIW Berlin vier zusammenfassende Indikatorengruppen, welche die politischen Anstrengungen ebenso wie die Erfolge bei der Nutzung Erneuerbarer Energien und beim technologischen und wirtschaftlichen Strukturwandel untersuchen.

Unterschiedliche Stärken

„Mit Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg stehen zwei Länder an der Spitze des Gesamtrankings, die sehr unterschiedliche Voraussetzungen für die Nutzung Erneuerbarer Energien mitbringen. Deshalb liegen die besonderen Stärken der beiden Länder in der Studie auch an verschiedenen Stellen“, sagt Dr. Robert Brandt, Geschäftsführer der AEE. So schnitt Schleswig-Holstein etwa in allen vier Indikatorengruppen gut ab und zeichnet sich laut Brandt durch große Fortschritte bei der Nutzung der Erneuerbaren im Strombereich aus. „Das ist unter anderem auf die Windkraft zurückzuführen“, so der AEE-Geschäftsführer. Auch bei der energiepolitischen Programmatik liegt Schleswig-Holstein in der Spitzengruppe. Gegenüber der Vorgängerstudie von 2017 schafft das nördliche Bundesland in der Gesamtplatzierung den größten Sprung nach vorne: vom fünften auf den ersten Rang.

Ergebnisse Bundesländervergleich Erneuerbare Energien 2019 Grafik

Die Ergebnisse des Bundesländervergleichs Erneuerbare Energien 2019. Foto: AEE/ DIW/ ZSW

Baden-Württemberg, das seit dem ersten Bundesländervergleich 2008 in der Spitzengruppe liegt, zeichnet sich unter anderem durch eine vorbildliche energiepolitische Programmatik, umfassende Klimaschutz- und Ausbauziele sowie ambitionierte Maßnahmen zur Steigerung des Erneuerbaren-Anteils im Wärmebereich aus. In der Indikatorengruppe 1A zur Bewertung der Anstrengungen für die Nutzung Erneuerbarer Energien hat Baden-Württemberg einen großen Vorsprung gegenüber den zweit- und drittplatzierten Ländern Rheinland-Pfalz und Thüringen sowie Schleswig-Holstein auf dem vierten Rang.

Bayern an der Spitze bei Solar- und Bioenergie

Die Erfolge bei der Nutzung erneuerbarer Energien (Indikatorengruppe 2A) waren allerdings weder bei Schleswig-Holstein noch in Baden-Württemberg am größten, so die Studienergebnisse. Hier schnitt Bayern als Spitzenreiter ab – vor allem in den Bereichen Solar- und Bioenergie. „Bei der Bewertung wurde hier aber das Potenzial der Windenergie stark vernachlässigt“, sagt Brandt. So konnten die auf den Plätzen zwei und drei folgenden Länder Schleswig-Holstein und Thüringen konnten ihren Punkteabstand zu Bayern in dieser Indikatorengruppe gegenüber der Vorgängerstudie von 2017 deutlich verringern.

Mit Blick auf die Anstrengungen zum technologischen und wirtschaftlichen Wandel (Indikatorengruppe 1B) liegt Niedersachsen auf Platz eins, gefolgt von Thüringen und Bremen. Niedersachsen zeichnet sich der Studie nach insbesondere durch die höchsten Forschungsausgaben für Erneuerbare Energien aus. Die größten industrie- und technologiepolitischen Erfolge (Indikatorengruppe 2B) kann Hamburg verbuchen. Die Hansestadt punktet laut Brandt vor allem bei den Patentanmeldungen sowie bei den Indikatoren zur Nutzung der Elektromobilität. Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt (Plätze zwei und drei) haben dagegen die höchsten Anteile von Beschäftigten im Bereich der erneuerbaren Energien.

Handlungsbedarf auch bei bisherigen Erfolgen

„Die international vereinbarten Klimaschutzziele erfordern, dass die Energieversorgung schnell auf erneuerbare Energien umgestellt wird. Hierfür müssen Bund und Länder noch mehr tun, sowohl im Stromsektor als auch im Wärmebereich und im Verkehr”, erläutert Prof. Dr. Claudia Kemfert, Abteilungsleiterin Energie, Verkehr, Umwelt am DIW Berlin. Während bei vielen Einzelindikatoren Fortschritte zu verzeichnen sind, können an verschiedenen Stellen auch Rückschritte beobachtet werden. So nahm den Studienergebnissen zufolge etwa die Ausbaudynamik bei der Nutzung Erneuerbarer Energien im Wärmebereich gegenüber der Vorgängerstudie ab. Auch die Anstrengungen zum technologischen und wirtschaftlichen Wandel sollten weiter intensiviert werden. Des Weiteren zeigt die Studie auf, dass auch die Schlusslichter im Gesamtranking bei einzelnen Indikatoren durchaus ganz vorne liegen und Anstrengungen oder Erfolge verzeichnen, von denen andere Länder lernen können.

„Die Studie zeigt, dass es für einen erfolgreichen Fortgang der Energiewende und das Erreichen der Klimaziele noch vieler weiterer Anstrengungen in allen Bundesländern bedarf“, kommentiert Prof. Dr. Frithjof Staiß, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des ZSW, die Ergebnisse. Dazu sollten die Länder ihre Gestaltungsspielräume insbesondere im Wärmesektor wesentlich stärker nutzen. Beispiele wären eine verpflichtende kommunale Wärme- und Kälteplanung, Maßnahmen zur Defossilisierung der Fernwärme und Vorgaben zur Nutzung Erneuerbarer Energien auch im Gebäudebestand, so Staiß. Diesbezüglich sollten die Länder auch ihrer Vorbildfunktion gerecht werden und die landeseigenen Liegenschaften verstärkt mit Erneuerbaren Energien versorgen. (vb)

www.unendlich-viel-energie.de

www.zsw-bw.de

www.diw.de

Publikationen des 50,2 Verlages


Der Branchenleitfaden für Stadtwerke und Netzbetreiber
Die "gelben Seiten" der IT-Sicherheit



Der Branchenleitfaden für Stadtwerke und Netzbetreiber
Die "gelben Seiten" des Smart Metering-Marktes

Der Rollout-Leitfaden für die Praxis
Unterstützung bei der Einführung der Smart-Meter-Technologie.