Einfach abschalten

Der FlightManager beendet Konflikte zwischen Windanlagen und Flugsicherung. Jetzt wurde der zehnte Bundeswehr- Flugplatz ausgerüstet.

Das Steuerungssystem ermöglicht, Windräder bei Flugverkehr abzuschalten. Dadurch sind Störungen im Radar ausgeschlossen und potenziell interessante Windstandorte können genutzt werden. Foto: WuF – Windenergie und Flugsicherheit GmbH, Heidi Lühr

Windenergieprojekte in der Nähe von Flugplätzen sind problematisch. Die sich drehenden Rotoren können das Radar der Flugsicherung reflektieren und damit im schlimmsten Fall alles, was sich hinter oder über dem Windrad in der Luft befindet, für den Fluglotsen unsichtbar machen. Damit fallen die Anlagen unter § 18a Luftverkehrsgesetz (LuftVG). Dort heißt es, dass Bauwerke nicht errichtet werden dürfen, wenn dadurch Flugsicherungseinrichtungen gestört werden können. In der Konsequenz konnten hunderte von Windkraftprojekten aufgrund ihrer Nähe zu Luftverkehrseinrichtungen nicht realisiert werden. Das ist insbesondere deshalb bedauerlich, weil solche möglichen Störungen für das Radar nur dann relevant sind, wenn tatsächlich Flugbetrieb herrscht. In der restlichen Zeit könnten die Windkraftanlagen an den fraglichen Standorten problemlos laufen und Strom produzieren.

Erfolgsgeschichte auf Umwegen

Ein möglicher Lösungsansatz war für den ehemaligen Bundeswehr-Fluglotsen und Windkraftexperten Clemens Krips bereits vor zehn Jahren klar: Eine Abschaltmöglichkeit für die Windkraftanlagen könnte die Konflikte lösen. Speziell hatte Krips dabei die bundesdeutschen Militärflughäfen im Auge, auf denen üblicherweise kein durchgängiger Flugverkehr herrscht. Doch damals war die Zeit noch nicht reif. Erst 2013 kam Bewegung in das Projekt. Gemeinsam mit dem Windparkentwickler Denker & Wulf aus dem schleswigholsteinischen Sehestedt gründete Clemens Krips damals die Windenergie- und Flugsicherheit GmbH (WuF) und setzte in enger Kooperation mit der Bundeswehr seine Idee um. Im Ergebnis entstand der FlightManager, ein Steuerungssystem, mit dem Windenergieanlagen im Umfeld eines Flughafens per Knopfdruck abgeschaltet werden können, um während der Start- und Landevorgänge Störungen im Flugsicherungsradar auszuschließen. Damit sind Konflikte mit dem Flugbetrieb ausgeschlossen und auch im Umfeld militärischer Flugplätze können WEA-Standorte erschlossen werden, die zuvor nicht mit dem Luftverkehrsgesetz vereinbar waren.

Anfang Februar 2015 gab das Verteidigungsministerium sein grundsätzliches Einverständnis für die „bedarfsgerechte Freischaltung von Lufträumen“, so die offizielle Bezeichnung. Vorausgegangen war eine umfassende Prüfung des Systems in Rostock-Laage sowie auf dem Fliegerhorst Hohn in Schleswig-Holstein. Der FlightManager befindet sich seither auf zahlreichen Bundeswehrflughäfen im Einsatz. Der Flugplatz Nörvenich wurde im Mai 2018 als zehnter Flugplatz erfolgreich ausgerüstet und befindet sich gerade in seiner dreimonatigen Testphase. Nach dieser Testphase sollen dann auch die ersten Windparks im Zuständigkeitsbereich Nörvenich angeschlossen werden. Nach Angaben des Unternehmens konnten durch den Einsatz des FlightManagers bislang 163 zusätzliche Windenergieanlagen realisiert werden, die früher nicht genehmigungsfähig waren. Mit über 400 MW Gesamtleistung wurden so etwa 5 Prozent des bundesweiten Zubauvolumens der vergangenen zwei Jahre möglich gemacht. Wenn alles nach Plan läuft, soll das System im Jahr 2018 noch um einen weiteren Flugplatz ergänzt werden.

FlightManager

Per Touchscreen können die Windkraftanlagen in einem bestimmten Sektor vom Radarkontrollraum aus geschaltet werden. Foto: WuF; pixabay (Nick_H)

Der FlightManager ist ein vollständig autonomes System, das die bestehenden Radarsysteme unberührt lässt. Es läuft im Kontrollraum des jeweiligen Flughafens auf einem Touchscreen-Computer. Die Bedienung ist denkbar einfach und wird auch vom Luftfahrtamt der Bundeswehr gelobt: Durch Antippen auf dem Bildschirm kann der Lotse, der für das Führen eines Flugzeugs verantwortlich ist, die Anlagen abschalten. Weil es auch von den jeweiligen An- und Abflugrouten abhängt, welche Anlagen überhaupt betroffen sind, teilt Krips die Lufträume in Absprache mit der Bundeswehr in mehrere Sektoren ein, die auf dem Bildschirm separat ausgewählt werden können. Durch den Stopp fallen die Windkraftanlagen unter die Schwelle der so genannten Moving Target Indication und werden vom Radar herausgefiltert. Auf einen erneuten Klick hin laufen sie wieder an. Zusätzlich gibt es einen Timer, mit dem die Windräder für einen vorab festgelegten Zeitraum abgeschaltet werden können.

Die Befehle des Fluglotsen werden als Signale über eine gesicherte Internetverbindung an den zentralen Server der WuF GmbH gesendet. Von hier aus geht der Befehl zu einem bestimmten Modul innerhalb der Windkraftanlage, wodurch sie abgeschaltet wird. Das Modul meldet das Herunterfahren zum Terminal, das diese Information dem Bediener anzeigt. Der gesamte Prozess wird von der WuF GmbH durch ein Live-Controlling der Datenbank überwacht. Dieses überwacht und registriert alle Schaltvorgänge. Um sicherzustellen, dass die Windturbinen im Falle von Systemfehlern stoppen, wird ein ständiger Keep-Alive-Ping durch das System übertragen, beginnend mit dem Terminal im Kontrollraum bis hin zur einzelnen WEA. Wenn dieses Signal nicht mehr von dem Modul innerhalb der Windkraftanlage empfangen wird, wird die Turbine zum Abschalten aufgefordert. Für eventuelle Probleme bietet das Unternehmen zudem eine 24/7-Hotline.

Nutzen für Windparkbetreiber

Das System, das von den Windparkbetreibern in Auftrag gegeben wird, ist mit Windenergieanlagen aller großen Hersteller kompatibel und wird von der WuF GmbH mit umfangreichen Serviceleistungen flankiert. Diese umfassen zum Beispiel Unterstützung bei Planungs- und Genehmigungsverfahren, die Zusammenarbeit mit der militärischen Flugsicherung und reichen bis hin zur Außerbetriebnahme der WEA.

Gezeigt wird der FlightManager auf der WindEnergy Hamburg (25.-28.9.2018) in Halle A1 am Stand 311.

Kontakt: WuF – Windenergie und Flugsicherheit GmbH, Lena Reinhart, 24814 Sehestedt, Tel. +49 43 57 – 99 77 943, info@wuf-gmbh.com

 

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