Inspektion aus der Luft

Mit SIEAERO stellte Siemens bei der European Utility Week 2018 in Wien ein neues Servicekonzept für die Inspektion von Freileitungen vor.

Die Freileitungsinspektion ist ein Milliarden- Euro-Geschäft. Allein in Nordamerika und Europa hat das Freileitungsnetz zur Stromversorgung von Haus- halten und Industrieanlagen eine Länge von mehr als 200.000 Kilometern. Diese kritische Infrastruktur muss regelmäßig einer Inspektion unterzogen werden, um Störungen zu verhindern. Derzeit inspizieren die Übertragungsnetzbetreiber ihre Stromleitungen mindestens einmal jährlich per Hubschrauber.

Foto: pixabay (Nicole Köhler)

Bei dem neuen Service von Siemens werden erstmals künstliche Intelligenz und unbemannte Luftfahrzeuge – UAVs – mit einer großen Reichweite zur Inspektion von Übertragungsleitungen genutzt. Der SIEAERO-Service für die Freileitungsinspektion ist das Ergebnis einer 2016 begonnenen engen Entwicklungszusammenarbeit zwischen Siemens und den deutschen und österreichischen Übertragungsnetzbetreibern (TSO) TenneT und APG. Gemein- sam mit den beiden Übertragungsnetzbetreibern hat Siemens Testfälle bearbeitet und ein umfassendes Inspektionskonzept validiert.

High-End-Multisensor-System

Das hochauflösende SIEAERO-Multisensor-System wurde eigens für die Anforderungen bei der Inspektion von Freileitungen entwickelt. Es ermöglicht die Aufzeichnung sämtlicher benötigten Daten mit nur einem Flug, was eine deutliche Reduzierung der erforderlichen Flüge und des Inspektionsaufwands zur Folge hat. Die für SIEAERO verwendeten 3D-LIDAR-Sensoren haben eine Auflösung von 120 Punkten pro Quadratmeter, während der Industriestandard bei rund 30 Punkten pro Quadratmeter liegt. Zudem arbeitet SIEAERO mit fünf Kameras mit jeweils 100 Megapixeln, während die Mitbewerber nach Angaben von Siemens in der Regel nur eine oder zwei Kameras und eine niedrigere Auflösung verwenden. Darüber hinaus umfasst das SIEAERO-Multisensorsystem auch Infrarot- und Koronasensoren.

SIEAERO service in a nutshell. Foto: Siemens AG

Datenanalyse mit künstlicher Intelligenz

Die Verarbeitung der großen Mengen von Multisensor-Daten, die während der Flüge anfallen, übernimmt die SIEAERO-Datenanalysesoftware. Diese Software, die ebenfalls von Siemens entwickelt wurde, ermöglicht mittels künstlicher Intelligenz und „Deep Learning“ die automatische Erkennung und Bewertung von Fehlern und Problemen entlang von Freileitungen. Die Dokumentation der gesamten Leitungen sowie die relevanten Feststellungen und Ergebnisse lassen sich direkt in die vorhandenen Anlagenmanagementsysteme der Kunden integrieren und dienen als Grundlage für Trendbeobachtung und vorbeugende Wartung. „Mit SIEAERO definieren wir die Freileitungsinspektion neu und setzen durch die Digitalisierung neue Maßstäbe bei den Services für unsere Kunden“, sagt Mirko Düsel, CEO Transmission Solutions der Siemens-Division Energy Management. „Sämtliche Schritte, von der Planung und Durchführung der Inspektionsflüge über die Verwaltung und Analyse der gesammelten Daten bis zur Berichterstellung und Langzeitarchivierung der Daten, werden mit SIEAERO kosteneffizienter – von den präzisieren und schnelleren Ergebnissen ganz zu schweigen.“

Einsatz in Drohne und Hubschrauber

SIEAERO nutzt CAMCOPTER® S-100 der Schiebel-Unternehmensgruppe aus Wien, die Sensoren mit einem Gesamtgewicht von bis zu 50 Kilogramm aufnehmen und über eine Reichweite von bis zu 200 Kilometern verfügen. Als Partner von Siemens wird Lufthansa Aerial Services weltweit die Durchführung der SIEAERO-Inspektionsflüge mit unbemannten Luftfahrzeugen übernehmen. Derzeit ist es in den meisten Ländern untersagt, UAVs außerhalb der Sichtweite einzusetzen. Sobald die nationalen Regelungen es zulassen, wird SIEAERO mit CAMCOPTER® S-100 eingesetzt. Für den Einsatz mit Hubschraubern ist SIEAERO ab März 2019 verfügbar.

Kontakt: Siemens AG, Sabrina Martin, 80333 München, Tel. +49 9131 7-37168, sabrina.martin@siemens.com

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