Smart City – einfach anfangen

03.04.2019 – Wie die intelligente Stadt der Zukunft tatsächlich aussehen wird, kann derzeit wohl niemand mit Bestimmtheit sagen. Unbestritten ist jedoch, dass digitale Technologien im städtischen Raum erheblich dazu beitragen können, die Abläufe im öffentlichen Raum nicht nur komfortabler, sondern zudem effizienter zu organisieren. Aktuelle Projekte zeigen, dass neben den Kommunalverwaltungen zunehmend auch die Versorgungswirtschaft das Thema Smart City aufgreift. Dr. Klaus Ruf, Leiter Smart City von VINCI Energies Deutschland, begrüßt diese Entwicklung: „Städte, Stadtwerke und Energieversorger sollten die digitalen Potenziale nutzen, um ihren eigenen Wandel voranzutreiben.“

VINCI Energies hat sich als Dienstleister der Implementierung neuer Technologien verschrieben und sich mit seinen Marken Omexom und Axians speziell auch auf die digitale Transformation und die Energiewende ausgerichtet. Entsprechend stand der neue Messeauftritt auf der diesjährigen E-world ganz im Zeichen von Smart City und Smart Energy. „Für Smart City wird mit einer jährlichen Wachstumsrate von 16,5 Prozent gerechnet“, führt Dr. Ruf aus. „Allerdings gilt es zu beachten, dass innerhalb einer Stadt unterschiedliche Bedürfnisse zusammentreffen.“ Daher sei es wichtig, jede Stadt auf dem Weg ihrer digitalen Transformation individuell zu bewerten und beraten. Die Ergebnisse können ganz unterschiedlich ausfallen.

Ganzheitlicher Ansatz oder Einzelprojekt

Lösungen rund um die intelligente Stadt fanden bei VINCI Energies auf der E-world große Resonanz. Foto: Axians

In Dortmund etwa ist der zukunftsfähige Umbau der Stadt und ihrer kommunalen Infrastrukturen integraler Bestandteil der Stadtentwicklungsstrategie. Seit 2016 plant und koordiniert die Allianz Smart City Dortmund – eine Initiative der Industrie- und Handelskammer (IHK), der Stadtverwaltung und der Leitstelle für Energiewende – vielfältige innovative Projekte, die gemeinsam mit Unternehmen, Forschungseinrichtungen und anderen Vertretern der Stadtgesellschaft umgesetzt werden. Ein virtuelles und flächendeckendes 3D-Stadtmodell sowie ein kommunaler Datenpool dienen als Grundlage für künftige digitale Dienste. Dazu gehören aktuell Themen wie intelligente Parkraumbewirtschaftung, Ladeinfrastruktur für E-Autos oder technikunterstütztes Wohnen im Alter. Die Allianz Smart City Dortmund wird von einem Lenkungskreis geführt, in welchem VINCI Energies als eines von wenigen Unternehmen ständiges Mitglied ist.

Kommunen und Versorger, die sich dem Thema langsamer nähern wollen, können sich in der Digitalschmiede der VINCI Energies in Frankfurt an realen Beispielen über die Umsetzung von Smart City-Lösungen informieren und in Workshops konkrete Smart City-Strategien und -Projekte erarbeiten. „Oft ist nur ein minimaler Anfangsaufwand nötig, um sofort konkrete Ideen umzusetzen und gleichzeitig die Voraussetzungen für weitere Smart City-Anwendungen zu schaffen“, so die Erfahrung von Dr. Klaus Ruf.

LoRaWAN

So beispielsweise in der württembergischen Stadt Singen, wo Energiedienstleister Thüga zusammen mit VINCI Energies ein LoRaWAN aufbaute. LoRaWAN, kurz für Long Range Wide Area Network, ist eine Funktechnologie, die sich für die Datenübertragung bei Smart City-Anwendungen sehr gut eignet. In Singen war nur eine Basisstation nötig, um die gesamte 45.000-Einwohner-Stadt mit dem Funknetz abzudecken. Mit einer gemeinsam entwickelten smarten Lösung wurde ein ganz konkretes Problem angegangen: Viele Bürger nutzen den Samstag, um aufzuräumen und auszumisten. Deshalb kam es deshalb am Wochenende an der Einfahrt zum Wertstoffhof oft zu Staus. Seit Mai 2018 messen Sensoren an der Einfahrt, wie viele Autos bereits warten, und senden die Daten an eine zentrale Plattform. Die Bürger können in einer App auf ihrem Smartphone sehen, wie lange die Schlange derzeit ist, und ihre Fahrt entsprechend planen.

Auch die Stadt Heidelberg nutzt LoRaWAN: Sensoren messen dort die Füllstände der Glascontainer. Die Daten werden an die zentrale IoT-Plattform gesendet. Das Funknetz dafür wurde aus insgesamt fünf Basisstationen aufgebaut. Sobald ein Container voll ist, erhält der Entsorger automatisch eine Meldung und kann das Altglas dann genau zur richtigen Zeit abholen. Das vermeidet unnötige Fahrten und ermöglicht eine optimierte Routenplanung. Für die Bürger verbessert sich die Lebensqualität, weil die Container nicht mehr überquellen. Außerdem fahren dadurch weniger Müllfahrzeuge, sodass sich auch die Lärm- und Abgas- Belastung reduziert.

In anderen Projekten setzt VINCI Energies LoRa-Technologie im Bereich Smart Parking ein. „Der Vorteil von LoRa ist die stabile Datenübertragung über eine große Reichweite hinweg, was für große Parkflächen von Vorteil ist. Die Sensoren sind dabei akkubetrieben und haben eine Laufzeit von acht bis zehn Jahren, was eine Verkabelung und somit teure Grabungsarbeiten spart“, erläutert Smart City- Experte Dr. Klaus Ruf. Ein weiterer spannender Anwendungsbereich ergibt sich, wenn Smart Parking-Lösungen mit einer Ladeinfrastruktur-Lösung für Elektroautos kombiniert werden. Sobald Auto und Ladesäule verbunden sind, kann berechnet werden, wie lange der Tankvorgang dauert. Diese und weitere Informationen können über ein Display oder eine App angezeigt werden und bieten so einen Mehrwert für Nutzer und einen Grund, diesen Parkplatz beziehungsweise diese Ladesäulen bevorzugt anzufahren.

Smarte Straßenbeleuchtung

Daten für smarte Beleuchtungskonzepte werden von Omexom automatisiert erfasst. Foto: Omexom Deutschland

Die genannten Beispiele machen deutlich, dass Smart City-Projekte durchaus auch wirtschaftlich interessant sind – ein sicherlich zentraler Aspekt bei der Planung, findet Dr. Bernhard Kirchmair, Chief Digital Officer von VINCI Energies Deutschland: „Ein Smart City-Projekt muss sich auch rechnen. Das heißt, wenn ich Geld für Sensorik und Infrastruktur ausgebe, muss das Projekt am Ende auch einen positiven finanziellen Effekt bringen.“

Die intelligente Straßenbeleuchtung ist eines der Paradebeispiele für solche Effekte, denn mit einem guten Konzept lassen sich unmittelbar Energiekosten einsparen. Im württembergischen Fellbach sind es nach der erfolgreichen Umrüstung jährlich circa 200.000 Euro. Im Vorfeld hatte Omexom mit einer automatisierten Messmethode die Beleuchtungssituation digital erfasst und räumlich visualisiert. Im Resultat steht eine sogenannte Heatmap, welche durch Farbkennzeichnung Bereiche schlechter – sprich: zu niedriger oder zu hoher – Ausleuchtung klar identifizierbar macht. Anhand dieser Datenbasis ließen sich die notwendigen LED-Umrüstungen eindeutig ableiten. Im französischen Chartres hat VINCI Energies die Lichtmasten zudem vernetzt und mit Sensorik ausgestattet, sodass die Straßenleuchten ihre Helligkeit jetzt selbstständig dem Fußgängerverkehr anpassen und gleichzeitig freie Parkplätze erfassen.

Dr. Bernhard Kirchmair ist überzeugt, dass mit den heutigen digitalen Technologien viele typische Probleme moderner Ballungszentren relativ einfach zu lösen sind. Um Städte in diesem Sinne smart zu machen, braucht es nicht in erster Linie Geld, sondern Mut. Man muss einfach anfangen. (pq)

www.vinci-energies.de

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