Pauschalmiete inklusive „Energieflat“: WOBA errichtet erste energieautarke Mehrfamilienhäuser

27.03.2020 – Es handelt sich um ein bisher deutschlandweit äußerst seltenes Bauvorhaben, das die Wohnungsbaugesellschaft mbH Oranienburg (WOBA) im Landkreis Oberhavel realisiert. Die WOBA wird den Mietern der 14 neuen Wohnungen in Oranienburg eine Pauschalmiete inklusive „Energieflat“ anbieten können. Ermöglicht wird dies durch die großen Solarthermie- und Photovoltaik-Anlagen, die mit Wärme- und Stromspeichern in den Gebäuden gekoppelt sind.

Pilotprojekte in der Lausitz

Bei dem innovativen Bauprojekt steht die klimafreundliche Solarenergie im Mittelpunkt, Herzstück des Energiekonzepts sind die etwa acht Meter hohen Solarwärmespeicher. Bernd Jarczewski, Geschäftsführer der WOBA, ist durch die Pilotprojekte in Cottbus auf das Energiekonzept von Leukefeld aufmerksam geworden. Die Wohnungsgenossenschaft eg Wohnen hatte im Dezember 2018 zwei energieautarke Mehrfamilienhäuser in der Stadt in der Lausitz fertigstellt. Zusammen mit einem Mehrfamilienhaus gleicher Bauweise in Wilhelmshaven handelt es sich um die ersten Mehrfamilienhäuser dieser Art in Deutschland.

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Der erste von zwei Wärmespeichern wird aufgestellt. Foto: : Enrico Kugler / Wohnungsbaugesellschaft mbH Oranienburg (WOBA)

Umweltfreundliches Gesamtkonzept

Das Energiekonzept basiert auf dem Sonnenhaus, eine Bezeichnung für Gebäude, bei denen mindestens die Hälfte des Wärmebedarfs für die Raumheizung und Warmwasserbereitung solar gedeckt wird. Dieser Anteil soll bei den Bauprojekten in Oranienburg höher sein, auch die Elektromobilität sollte in das Gesamtkonzept integriert werden. Damit der Großteil der benötigten Energie solar bereitgestellt werden kann, muss zunächst der Wärmebedarf im Gebäude reduziert werden. Hierzu trägt beim WOBA-Projekt die monolithische Bauweise bei: Hierbei werden die Außenwände einschalig gemauert und von innen und außen verputzt. Durch die hohe Dämmfunktion der Ziegel ist keine zusätzliche Dämmung wie Styropor nötig.

Hoher Anteil von Solarenergie bei Wärme- und Stromversorgung

Die Energie für die Wärmeversorgung in den Mehrfamilienhäusern wird zu etwa 60 Prozent solar erzeugt. Solarwärme aus den Solarkollektoren, die nicht direkt für die Warmwasserbereitung oder Raumheizung benötigt wird, kann in einem Langzeit-Wärmespeicher zwischengespeichert werden. Wenn im Winter nicht genügend Solarwärme erzeugt wird, übernimmt eine Gasbrennwerttherme. Die Kosten für die geschätzten 15.600 kWh Erdgas beliefen sich auf rund 900 Euro pro Jahr.

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WOBA-Geschäftsführer Bernd Jarczewski freut sich, dass die Wärmespeicher trotz der Einschränkungen durch die Corona-Krise zeitlich geplant angeliefert und aufgestellt werden konnten. Foto: Enrico Kugler / Wohnungsbaugesellschaft mbH Oranienburg (WOBA)

Die Stromversorgung soll zu rund 70 Prozent solar erfolgen. Hierfür werden auf dem Dach und an der Fassade Photovoltaik-Module mit einer Gesamtleistung von 36,4 kW installiert. Für die Zwischenspeicherung werden Lithium-Ionen-Akkus mit 42 kWh Speicherkapazität eingebaut. Durch die hohen Anteile an Solarenergie könne die WOBA die Strom- und Wärmekosten langfristig niedrig und stabil halten. Energieexperte Prof. Timo Leukefeld, der das Energiekonzept für die energieautarken Mehrfamilienhäuser geplant hat, prognostiziert: . „In Zeiten der Energiewende und des Klimawandels haben alte Bauweisen mit konventioneller Energieversorgung keine langfristige Perspektive mehr. Wohnungsunternehmen wie die WOBA in Oranienburg entscheiden sich jetzt schon für eine zukunftsfähige Bauweise und heben sich von Mitbewerbern ab.“ (ds)

www.woba.de