Studie zur E-Mobilität rückt Auswirkungen auf das Verteilnetz in den Fokus

06.11.2019

Elektromobilität ist für Verteilnetzbetreiber (VNB) ein spannendes, aber gleichzeitig auch herausforderndes Feld. Wie viele Elektrofahrzeuge wird es zukünftig im eigenen Netzgebiet geben? Wie verhalten sich die Nutzer? Was passiert, wenn alle E-Fahrzeuge gleichzeitig geladen werden? Und wie können die Ladevorgänge geregelt werden? Fragen wie diese beschäftigen die VNB zunehmend. So auch die Main-Donau Netzgesellschaft, ein Tochterunternehmen der N-ERGIE Aktiengesellschaft. In einer Studie untersuchte das Unternehmen daher gemeinsam mit der P3 Energy & Storage GmbH aus Aachen die Auswirkungen der Elektromobilität auf das eigene Verteilnetz. Die Studie sollte eben jene gestellten Fragen in den Mittelpunkt rücken.

Das Ergebnis scheint wenig überraschend: Die Elektromobilität wird merkliche Auswirkungen auf das Verteilnetz haben. Die Main-Donau Netzgesellschaft gibt dazu verschiedene Beispiele. So wird sich die Energiemenge durch den Strombedarf der E-Fahrzeuge im netz erhöhen und sich auch die benötigte Leistung aus dem Netz temporär vergrößern – insbesondere aufgrund des Sachverhalts parallellaufender Ladevorgänge. Für das Verteilnetz der Main-Donau Netzgesellschaft habe die Studie allerdings auch eine positive Bilanz gezogen, so Heidi Willer, Pressesprecherin des Versorgers: „Unser Verteilnetz ist bereits jetzt auf die künftige Zunahme von Elektrofahrzeugen vorbereitet.“

Über 120 Elektrofahrzeuge hat die N-ERGIE Aktiengesellschaft in ihrem Fuhrpark im Einsatz. Hinzu kommen 180 Ladepunkte an Unternehmensstandorten sowie 260 eigene öffentliche Ladepunkte, die an das Verteilnetz angeschlossen sind. Foto: N-ERGIE Aktiengesellschaft

Netzausbau bis 2030 punktuell

Basis der Untersuchung ist die erwartete Anzahl von Elektrofahrzeugen im Netzgebiet der Main-Donau Netzgesellschaft, unterteilt nach privater und gewerblicher Nutzung. Die erhebenden Unternehmen haben dabei für die Jahre 2025, 2030 und 2050 jeweils drei Szenarien untersucht. In diese flossen auch bestehende Supermärkte, Parkhäuser und Tankstellen sowie die Verfügbarkeit privater Stellplätze als potenzielle Lademöglichkeiten hinein. Ebenso berücksichtigten der Versorger und P3 Energy & Storage Pendlerbewegungen, so Willer. „Außerdem erfolgte zusätzlich eine Unterteilung des Netzgebiets nach Postleitzahl und der damit verbundenen Bevölkerungsdichte. So konnten wir ländliche Netze mit geringer Bevölkerungsdichte bei gleichzeitig hoher Anzahl von Erzeugungsanlagen, randstädtische Bereiche mit hoher Bevölkerungsdichte sowie das Stadtgebiet Nürnberg mit viel Einzelhandel und Parkhäusern separat betrachten“, erklärt Willer.

In der Studie ging die Main-Donau Netzgesellschaft für das Jahr 2030 beim optimistischsten Szenario mit der höchsten zu erwartenden Anzahl an Elektrofahrzeugen von 400.000 Pkw und 22.000 Nutzfahrzeugen aus. Selbst bei diesem Szenario könne man „gelassen“ bleiben, wie Josef Hasler, Vorstandsvorsitzender der N-ERGIE betont: „Seit Jahren investieren wir jährlich rund 100 Millionen Euro in unsere Stromnetze. Das Netz ist somit gut vorbereitet für die nächsten Jahre – egal ob bei der Einspeisung durch erneuerbare Energien oder bei der Elektromobilität.“ Hasler rechnet damit, dass das Netz der Main-Donau Netzgesellschaft bis 2030 aufgrund der Elektromobilität nur punktuell, nicht flächendeckend, an Hot Spots mit vielen E-Fahrzeugen und Ladepunkten verstärkt werden müsse. „Aufgrund der Anmeldepflicht von Ladepunkten beim Netzbetreiber lassen sich solche Hot Spots identifizieren“, resümiert Hasler.

Alternativen zum konventionellen Netzausbau

Perspektivisch will das Unternehmen aber dennoch verstärkt in das Netz investieren, da die Studie im optimistischen Szenario mit über einer Million elektrischer Pkw und rund 50.000 elektrischer Nutzfahrzeuge einen deutlichen Anstieg bis 2050 prognostiziert. Aufgrund von Lastzuwächsen sieht der Verteilnetzbetreiber auch besonders das gesteuerte Laden als Option, Elektromobilität großflächig zu realisieren und dennoch den notwendigen Netzausbau möglichst gering zu halten. „Das gesteuerte Laden heißt nichts anderes, als dass durch eine intelligente Verteilung der einzelnen Ladevorgänge die Last im Tagesverlauf ausgeglichen und Spitzen minimiert werden“, so Gerald Höfer, Geschäftsführer der Main-Donau Netzgesellschaft. Der Verteilnetzbetreiber will den Fokus auf Alternativen zum konventionellen Netzausbau richten, etwa regelbare Ortsnetztransformatoren (rONT) installieren. (vb)

www.n-ergie.de

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